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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung-  und  Kritik  auf  dem  Gebiete  des  deutschen  Alterthums  II.  77

sein  darf.  Welcher  leser  des  lieds  denkt  bei  Zanfana  nicht  auch
zuerst  an  fälschung?  sie  fällt  oder  steht  mit  der  echtheit  des  übrigen
inhalts,  den  alles  augenscheinlicher  bestätigt  als  verdächtigt.  Zanfana
ist  vielleicht  lautverschoben  nicht  wie  zwei  tva  duo,  zehen  tailiun
decem,  sondern  wie  zwerg  twerc  dverg,  zwingen  twingen  dwingan
thuingan,  und  es  entspränge  möglichkeit,  an  die  eddischen  stadir
Dnnpar  in  Godrünarhefna,  an  die  gautischen  stadir  Dam  paar  in
den  liederu  der  Hervararsaga  zu  denken,  denn  so  liest  eine  hs.  für
Dampar  oder  Damptar.  ein  weiblich  gebildetes  Dampn  oder  Dömpn,
genitiv  Dampnar  (wie  Gefn,  gen.  Gef  nur,  Siöfn,  gen.  Siafnar)
würde  ganz  auf  Tamfana  herauskommen  und  könnte  Vesta,  göttin
des  feuers  bezeichnen,  dampi  ist  vapor,  unser  ahd.  unverschobnes
damph,  zuweilen  tampli,  vapor,  focus,  also  herd,  teuer,  demplian
sulfocare.  ich  habe  zu  Tanfana  längst  die  skytische  Tahiti  gehalten,
wie  neuerdings  Bergmann  (les  Scythes  p.  44)  diese  der  indischen
Tapati  vergleicht,  von  der  verbreiteten  Wurzel  tap  brennen,  hier
könnte  selbst  jener  gen.  Damptar  neben  Dampnar  einschlagen,  die
Marsen,  Bructerer  und  vielleicht  andere  Germanen  verehrten  Tanfana
unweit  des  Niederrheins,  ein  ähnliches  heiligthum,  die  stadir  Dampnar
lagen  im  Norden;  dass  Zanfana  in  unsermkinderlied  fette  schafe  sendet,
stempelt  sie  noch  zu  keiner  hirtengöttin  [wie  ich  in  meinem  Briefe
an  ihn  gemeint  batte],  warum  aber  sollte  eine  keusche  götterjungfrau
keine  herden  weiden  lassen?  wäre  rötiu“  u.  s.  w.  (s.  die  Stelle
oben  S.  65).  Später,  in  der  schon  berührten  kleinen  Abhandlung,
versuchte  er  eine  andere  Deutung  des  Namens.  Zu  diesem  Behufe
bat  er  mich  am  10.  März  1859  um  Beispiele  des  Wortes  zdfen  und
und  bemerkte  dazu:  „Sie  können  daraus  folgern  wollen,  dass  ich
meine  frühere  auslegung  verlasse;  nein,  ich  denke  sie  wird  daneben
bestehen,  vorläufig  mag  man  die  neue  mit  grösserem  beilall  aufnehmen.“ ­
  Da  die  Monatsberichte  der  Berliner  Akademie  den  wenigsten
meiner  Leser  zur  Hand  sein  werden,  gebe  ich  einen  kurzen  Auszug
des  Wesentlichen.
„Bei  der  neuen  Deutung  des  Namens  Tanfana  kommt  es  auf  das
anlautende  t  und  das  inlautende  nf  an.  —  Überall  wo  die  Römer
im  Anlaut  deutscher  Wörter  t  schreiben,  liegt  deutsches  th  unter,
so  in  Teutones,  Teneteri,  Tungri,  folglich  auch  in  Tanfana.  —
Deutsches  nf  oder  mf  ist  doppelter  Art.  Entweder  steht  es  zur  Seite
goth.  nf,  mf,  wie  kauf,  fünf,  fmf,  oder  goth.  mp  =  ahd.  mf  mph.
            
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