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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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Pfeiffer

fränkischen  Mundart,  aber  es  ist  nur  eines,  und  ihm  stehen  verschiedene ­
  Laut-  und  Flexionserscheinungen  gegenüber,  die  keineswegs
fränkisch,  sondern  baierisch  sind.  Dahin  gehört  die  Lahialtenuis  p  in
prichit,  pluomun,  plobun  an  Stelle  der  mitteldeutschen  Media,  wie
sie  durchwegs  bei  Otfried,  Tatian  und  A.  herrscht,  dahin  die  neben  je
zweimaligem  morgane  und  chinde  im  Dat.  sg.  uuolfa  und  im  Acc.
pl.  der  stark  flectierten  Adjectiva  liorscä  und  har  Id  erscheinenden,
der  baierischen  Mundart  im  9.  10.  Jahrh.  eigenthümlichen  Flexionen
auf  «  («)  statt  e  (e),  s.  oben  S.  29  f.,  dahin  wohl  auch  egir,  unta.
Die  Sprache  unseres  Denkmals  stellt  mithin  keinen  reinen,  sondern
einen  aus  zwei  verschiedenen  Mundarten  gemischten  Dialekt  dar  und
es  verhält  sich  damit  ungefähr  eben  so,  wie  mit  den  keronischen
Glossen,  dem  Augsburger  Gebet  und  der  Samaritanerin,  die  neben
entschieden  alamannischen  und  baierischen  Lauten  die  Aspirata  tli  aufweisen: ­
  (her,  theo,  thaz,  tliemo,  thero,  thih,  thü,  tlünero  u.  s.  w.
Daraus  folgt  die  sichere  Bestätigung  dessen,  was  schon  oben  S.  56
ist  gesagt  worden,  nämlich,  dass  das  Lied  nicht  aus  mündlicher
Überlieferung,  sondern  aus  einer  schriftlichen  Vorlage  aufgezeichnct
wurde;  denn  mit  dem  von  Holtzmann  in  seiner  Untersuchung  über
das  Hildebrandslied  (Germania  9,  289)  aufgestellten  Satze,  dass  ein
Schriftstück,  welches  zwei  Dialekte  in  solcher  Weise  mische,  nicht
erste  Aufzeichnung,  sondern  nur  Abschrift  sein  könne,  hat  es  seine
volle  Richtigkeit.  Da  nun  die  Merkmale  des  baierischen  Dialekts  überwiegen ­
  und  der  Fundort  hiebei  in  Anschlag  zu  bringen  ist,  so  wird
man  mit  ziemlicher  Sicherheit  sagen  können,  dass  es  eine  in  Österreich ­
  nach  fränkischer  Vorlage  gefertigte  Abschrift  ist,  die  uns  hier
vorliegt.  Als  bestätigende  Momente  für  diesen  Verhalt  treten  noch
hinzu  die  beiden  nieder-  oder  doch  mitteldeutschen  Verba  slumün
und  hüran:  sie  liefern  uns  den  zwingenden  Beweis,  dass  wir  es  mit
keinem  oberdeutschen  Denkmal  hier  zu  thun  haben,  sondern  dass
die  Heimat  des  Schlummerliedes,  wie  J.  Grimm  richtig  erkannt  hat,
in  der  That  in's  rheinische  Franken,  an  den  Niederrhein,  unfern
dem  ehemaligen  Tempel  der  Tanfana,  zu  setzen  ist.
Über  den  Versbau  ist  nur  Weniges  zu  bemerken,  Envähneuswertli
  ist  im  Grunde  allein  die  Betonung  des  Wortes  cruftliclio  V.  2.,
indem  hier,  entgegen  der  sonst  im  Ahd.  und  meist  auch  im  Mhd.  bei
dreisilbigen  Wörtern  mit  langer  erster  und  zweiter  Silbe  üblichen  Regel, ­
  nur  die  beiden  letzten  Silben  gehoben  erscheinen:  Trluua  uuerit
            
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