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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung:  uml  Kritik  auf  dem  ('ebiete  des  deutschen  Alterthums  II.

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JSoden  des  Volkes  entrückt  waren.  War  auch  in  jener  Zeit  der  Abstand
zwischen  der  Sprache,  wie  sie  unter  den  hohem  Ständen  und  in  den
Klöstern  gesprochen  wurde,  und  der  Sprache  des  Volkes  kein  so
grosser  wie  später,  so  wird  ein  Unterschied  dennoch  bestanden  haben
und  die  Schreibung  in  unsern  alten  Denkmälern  der  volksmässigen
Aussprache  keineswegs  überall  genau  entsprechen.  Gewiss  war  vieles
in  dieser  alterthiimlicher,  manches  auch  moderner,  wie  es  denn  eine
schon  öfter  hervorgehobene  Eigenthiimlicbkeit  der  Volkssprache  ist,
dass  sie  der  Schriftsprache  theils  vorauseilt,  theils  hinter  ihr  zuriickbleibt.
  Eine  solche,  frühe  schon  im  Volksmunde  übliche  und  vom
jüdischen  Schreiber  daher  entnommene  rohe  Form  mag  denn  auch
unser  plobun  sein.  Die  Möglichkeit  dieses  Verhaltes  wird  nicht  zu
bestreiten  sein.jedesfalls  ist  sie  mir  wahrscheinlicher  als  die  Erklärung,
welche  Herr  Grohmann  S.  33  gibt.  Das  wäre  doch  ein  wunderlicher
Gelehrter,  der,  statt  sich  in  GralFs  Sprachschatz  (3,  238.  239),  mit
dem  er  doch  so  vertraut  sein  soll,  die  richtige  alte  Form  zu  holen,
die  schlechte  junge  erst  mit  Benützung  von  Schmeller's  Grammatik
„erschlossen“  hätte.  An  diesen  Hergang  glaube,  werda  wolle,  ich  nicht.
rotiu\  hiezu  bemerkt  Grimm:  „rötiu  kann  nicht  aufpluomun
gehen  und  muss  entweder  zu  hera  oder  zum  folgenden  Zanfana  gehören
oder  in  rotun  geändert  werden  ,  wäre  rötiu  auf  die  zuletzt  genannte  zu
beziehen,  so  läge  in  der  rothen  Tanfana  offenbar  ein  fingerzeig  auf  das
rothe  element  (das  teuer):  nur  wird  die  zeile  dadurch  allzu  lang.“
Dass  diese  Beziehung  zulässig  sei,  bezweifle  ich  und  kann  es  für
nichts  als  einen  Schreib-  oder  Lesefehler  statt  rotun  (dessen  auslautendes ­
  n  in  der  Vorlage  vielleicht  verwischt  oder  undeutlich  war)
halten;  dergleichen  wird  man  einem  so  flüchtigen  Schreiber,  der
V.  1  fla  für  ftaf  schreibt,  Z.  4  in  fcaf  das  c,  Z.  5  in  korfca  das  /'erst
auslässt  und  dann  hineincorrigiert,  wohl  Zutrauen  dürfen.
V.  6.  morgane]  adverbialer  Dativ,  im  Ahd.  nur  bei  Tatian  38,
3.  189,  1.  236,  1.  s.  Graff  2,  833.
ueizu  =  ueiziu]  ueiz,  pinguis,  diese  Form  gebricht  dem  Ahd.
gänzlich,  es  kennt  nur  ueizt,  ueizit  (s.  Graff  3,  738.  739).  Im  Mhd.
erscheint  sie  ziemlich  häufig,  doch  ausschliesslich  bei  alamannischen
Dichtern  (s.die  aus  Hugo  v.  Langenstein,  Hadlaub,  Boner  und  Spätem
gesammelten  Beispiele  in  Grirnm's  D.  Wörterbuch,  3,  1466  ff.),
während  die  übrigen  Mundarten,  entsprechend  dem  Ahd.,  reizt,  reizet
haben.  Obschon  es  an  alten  Zeugnissen  für  reiz  fehlt,  so  ist  diese  Form
Silz),.  ,1.  phil.-hist.  CI.  LH.  Bd.  I.  Hft.  •>
            
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