Forschung: uml Kritik auf dem ('ebiete des deutschen Alterthums II.
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JSoden des Volkes entrückt waren. War auch in jener Zeit der Abstand
zwischen der Sprache, wie sie unter den hohem Ständen und in den
Klöstern gesprochen wurde, und der Sprache des Volkes kein so
grosser wie später, so wird ein Unterschied dennoch bestanden haben
und die Schreibung in unsern alten Denkmälern der volksmässigen
Aussprache keineswegs überall genau entsprechen. Gewiss war vieles
in dieser alterthiimlicher, manches auch moderner, wie es denn eine
schon öfter hervorgehobene Eigenthiimlicbkeit der Volkssprache ist,
dass sie der Schriftsprache theils vorauseilt, theils hinter ihr zuriickbleibt.
Eine solche, frühe schon im Volksmunde übliche und vom
jüdischen Schreiber daher entnommene rohe Form mag denn auch
unser plobun sein. Die Möglichkeit dieses Verhaltes wird nicht zu
bestreiten sein.jedesfalls ist sie mir wahrscheinlicher als die Erklärung,
welche Herr Grohmann S. 33 gibt. Das wäre doch ein wunderlicher
Gelehrter, der, statt sich in GralFs Sprachschatz (3, 238. 239), mit
dem er doch so vertraut sein soll, die richtige alte Form zu holen,
die schlechte junge erst mit Benützung von Schmeller's Grammatik
„erschlossen“ hätte. An diesen Hergang glaube, werda wolle, ich nicht.
rotiu\ hiezu bemerkt Grimm: „rötiu kann nicht aufpluomun
gehen und muss entweder zu hera oder zum folgenden Zanfana gehören
oder in rotun geändert werden , wäre rötiu auf die zuletzt genannte zu
beziehen, so läge in der rothen Tanfana offenbar ein fingerzeig auf das
rothe element (das teuer): nur wird die zeile dadurch allzu lang.“
Dass diese Beziehung zulässig sei, bezweifle ich und kann es für
nichts als einen Schreib- oder Lesefehler statt rotun (dessen auslautendes
n in der Vorlage vielleicht verwischt oder undeutlich war)
halten; dergleichen wird man einem so flüchtigen Schreiber, der
V. 1 fla für ftaf schreibt, Z. 4 in fcaf das c, Z. 5 in korfca das /'erst
auslässt und dann hineincorrigiert, wohl Zutrauen dürfen.
V. 6. morgane] adverbialer Dativ, im Ahd. nur bei Tatian 38,
3. 189, 1. 236, 1. s. Graff 2, 833.
ueizu = ueiziu] ueiz, pinguis, diese Form gebricht dem Ahd.
gänzlich, es kennt nur ueizt, ueizit (s. Graff 3, 738. 739). Im Mhd.
erscheint sie ziemlich häufig, doch ausschliesslich bei alamannischen
Dichtern (s.die aus Hugo v. Langenstein, Hadlaub, Boner und Spätem
gesammelten Beispiele in Grirnm's D. Wörterbuch, 3, 1466 ff.),
während die übrigen Mundarten, entsprechend dem Ahd., reizt, reizet
haben. Obschon es an alten Zeugnissen für reiz fehlt, so ist diese Form
Silz),. ,1. phil.-hist. CI. LH. Bd. I. Hft. •>