Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

60

Pfeiffer

V.  1.  tochä  schw.  f.  Puppe,  Docke.  Im  Ahd.,  wo  das  Wort  im
Ganzen  nur  etwa  sieben-  lös  achtmal  belegt  ist,  lautet  die  gewöhnlichere ­
  und  auch  richtigere  Form  tocchä,  und  wird  zumeist  durch
puppa,  einmal  durch  mimn,  ein  anderes  Mal  durch  oscillum  glossiert
(s.  Graff  5,  364.  365.  Schindler  1,  356).  Wegen  des  in  V.  3  vorkommenden ­
  sunilo  meinte  J.  Grimm,  „das  alte  Lied  richte  sich  an
Töchterchen  und  Söhnchen  beide  nacheinander“.  Möglich,  aber  nicht
nothwendig.  Allerdings  bedeutet  tocchä  zunächst  Püppchen=Mädchen,
aber  man  wird  nicht  beweisen  können,  dass  es  als  Kosewort  nicht
schon  in  früher  Zeit,  wie  heute  noch,  im  allgemeinen  Sinn  für  kleines
Kind  sei  gebraucht  worden.
slaslumo]  so  in  der  Handschrift.  Dass  hier  ein  Fehler  steckt,  ist
augenscheinlich.  Zappert  besserte  sla  in  släf  es,  aber  die  Ergänzung
eines  blossen  f  genügt  vollkommen  und  der  (beiläufig  im  Ahd.  unbelegte)
  Imperativ  släf  ist  weit  angemessner.  —  slumo  wurde  von
Zappert  in  sliumo  adv.  protinus,  velociter,  cito  (vgl.  Graff  6,  848)
verändert,  weil  er  das  Wort  nicht  verstand.  Die  Gegner,  denen  es
damit  eben  so  ergieng,  nahmen  die  Änderung  gläubig  hin  und  bedienten ­
  sich  des  Wortes  zum  Beweise  der  Fälschung.  Die  richtige
Bedeutung  hat  J.  Grimm  sogleich  sichern  Blickes  erkannt  und  bereits
im  D.  Wörterbuch  3,  608.  s.  v.  entschlummern,  mitgetheilt.  Brieflich
äusserte  er  sich  folgendermassen  über  die  Stelle:  „slaslumo  ist  sicher
zu  bessern  in  släf  slumo.  dass  zwischen  beiden  imperativen  das  'und’
fehlt,  ist  schön,  vgl.  far  bisuani  thih  er  Otfried  II.  18,  23.  gatic  sprich
pass.  H.  138,  93.  sta  nitere  furca  Budlieb  4,  93.  steh  verseuch
II.  Sachs  II.  4,  3°.  slumon  dormire  ist  das  einfache  wort,  aus  dem
unser  schlummern  dormitare  spriesst,  ags.  slumerian,  engl,  slumber.
slumen  bezeugt  Diefenbach  unter  Jormitare  aus  zwei  vocabularen,
man  muss  herausbringen,  wo  das  Volk  so  redete  oder  redet,  beide
verba  sind  nicht  gemeinahd.  noch  mhd.,  bei  Jeroschin  ist  stummer
somnus,  Stalder  2,  333  hat  sclilunen,  einschlunen  für  schlummern,
einschlummern,  altn.  slum  silentium,  sluma  tacere,  oculos  demittere.
man  könnte  auf  Verwandtschaft  mit  sliumo  cito  und  schleunig  rathen,
da  sich  die  Vorstellungen  still  und  schnell  mehrmals  begegnen  und
der  schlaf  schnell  überfällt;  wer  släf  sliumo  läse  und  schlaf  schnell
deutete,  würde  nicht  ganz  fehlen,  zumal  gleich  sär  protinus  folgt,
aber  vorzüglicher  scheint  mir  släf,  slumo!“  Die  Bemerkung  Grimm’s,
dass  beide  Formen  des  Wortes  unhochdeutsch  sind,  ist  vollkommen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.