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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung  und  Kritik  auf  dem  Gebiete  des  deutschen  Alterthums  II.

und  Verrath  zu  wittern?  Mir  ist  kein  einziger  Fall  bekannt.  Warum
also  dieses  Misstrauen!  Es  zeugt  von  keinen  gesunden  Zuständen  in
unserer  jungen  Wissenschaft,  die  vor  der  Zeit  schon  alt  und  grämlich ­
  geworden  ist.
2.
Mit  dem  vorstehenden  Abschnitt,  in  welchem,  auf  eigene  Anschauung ­
  und  verschiedene,  ich  hoffe  triftige  Gründe  gestützt,
das  Alter  und  die  Echtheit  der  handschriftlichen  Überlieferung  des
Schlummerliedes  dargethan  ist,  könnte  ich  eigentlich  meine  Abhandlung ­
  schliessen  und  es  Andern  überlassen,  auf  der  nun  gewonnenen
sichern  Grundlage  weiter  zu  bauen  und  das  mancherlei  Ungewöhnliche, ­
  was  das  Denkmal  in  Inhalt  und  Sprache  darbietet,  sich  zurecht
zulegen.  Allein  der  Zweifel  hat  die  Forschung  bisher  gänzlich  davon
fern  gehalten  und  über  die  sehr  ungenügende,  ja  vielfach  verkehrte
Erklärung  Zappert's  ist  keiner  der  beiden  öffentlich  aufgetretenen
Gegner  auch  nur  um  einen  Schritt  hinausgegangen;  daher  scheint  es
mir  schicklich,  hier  schon  wenigstens  einen  Theil  des  Versäumten
nachzuholen.  Dabei  verhehle  ich  nicht,  dass  es  mich  reizt,  auch  noch
von  anderer  Seite,  aus  dem  Innern  des  Liedes,  aus  Sprache  und
Inhalt  den  Beweis  der  Echtheit  zu  führen,  und  zu  zeigen,  wie  oberflächlich ­
  man  beides  betrachtet  hat.
Der  Gang  der  Untersuchung  erfordert,  dass  ich  den  Text  des
Liedes  genau  nach  der  Handschrift  vorausschicke  «)>  daran  die  sprachlichen ­
  Bemerkungen  füge  und  dann  erst  die  allgemeinen  Erörterungen
über  Form  und  Inhalt  folgen  lasse.  Ich  werde  dabei  Gelegenheit
haben,  überall  auf  die  Einwendungen  der  Gegner  Rücksicht  zu
nehmen.
I.  (1)  Tocha  flaflumo  uueinon  far  lazef  (2)  triuua  uufit  craiffliehe
II.  themo  uuolfa  uurgianthemo  (3)  flafef  unza  morgii  mariftrut
III.  funilo  (4)  oftra  ftelit  chinde  honaeegir  fuozu  (S)  hera  pr  clrt
chind-IV.
  pluomun  plobun  rotiu  (6)  zanfana  fentit  morgane  ueizu  Paf
V.  cleniu  (7)  unta  licrra  hurt  horfca  afca  harta.
9  Um  nicht  doppelt  eitleren  zu  müssen,  wodurch  Verwirrung  entstehen  könnte,
füge  ich  der  Zeilenzählung  die  der  Verse  bei  und  werde  mich  im  Folgenden  nach
letzterer  richten.
            
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