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Pfeiffer
das Hildebrandslied und das Muspilli erinnern, und an den Lorsclier
Bienensegen. Dieser letztere insbesonders gewährt die erwünschteste
Analogie, indem er genau so wie das Schlummerlied von einer
spätem Hand auf den untern Rand des Codex eingezeichnet wurde.
Hätte es sich nun gefügt — und für unmöglich wird dies niemand
halten —, dass auch der Pfälzer Codex der Seheere des Buchbinders
verfallen und der Streifen mit dem Segen in ähnlicher Weise, als
Haft oder Falz eines Buches, gerettet worden wäre, so würde es
nicht an solchen fehlen, die sofort an Fälschung dächten und
dann gewiss um Gründe dafür nicht verlegen wären. War doch
der Bienensegen selbst in seiner jetzigen, gewiss unverdächtigen Art
der Überlieferung bereits von einem solchen Schicksal bedroht. Ein
Freund, dem ich die Zeilen, allerdings bevor ich noch die Nummer
und Beschaffenheit des Codex anzugehen in der Lage war, mittheilte,
schrieb mir: „Ich kann mich nicht enthalten, dir in Bezug auf den
ahd. Bienensegen sogleich zu schreiben und dir meine Befürchtungen
auszusprechen. Sei vorsichtig und überlass die Veröffentlichung demjenigen,
der den Codex in Rom selbst vor Augen batte. Wenn du
deiner Sache nicht ganz sicher bist, so lass die Hand davon, mir
scheint das Ding sehr verdächtig: es kommt mir gar nicht alt vor,
sondern sehr modern. Der Verfasser scheint mir tlieils aus Unwissenheit
theils mit Absicht Räthsel aufgegeben zu haben. Das fliuc du,
ni habe du, ni fluc du, also dreimal du nach dem Imperativ, das ist
ganz modern: ob es auch alt ist, bezweifle ich, obgleich ich nicht
nachgesehen habe (s. oben S. 7). Was soll nintuuinnest? — in
munt godes ist wohl gemeint im Schutze Gottes, und zu fridu ist
wohl eine Präposition zu ergänzen u. s. w. Noch einmal, die Sache
ist verdächtig, sei vorsichtig.“
Ich habe diese Stelle hergesetzt, um an einem schlagenden
Beispiel zu zeigen, wie tief sich die Zweifelsucht bei uns schon eingenistet
hat und mit welchem Misstrauen jede Entdeckung, wenn sie
aus dem Kreis des Alltäglichen heraustritt, zu kämpfen hat. Gewiss
ist die Vorsicht eine schöne Tugend, aber sie wird zum Fehler und
wirkt verderblich, wenn sie übertrieben wird, weil sie den Blick
trübt und die wissenschaftliche Erforschung und Erkenntniss hintanhält.
Welche Fälschungen sind denn auf dem Gebiete des deutschen
Alterthums in unserer Zeit vorgekommen, die zu solcher Vorsicht
mahnen und uns berechtigen, hinter jedem neuen Funde Täuschung