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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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Pfeiffer

Theologen  zum  Unterricht  im  Hebräischen  gedient,  unnöthig.  Denn
waren  auch  die  für  Gelehrte  bestimmten  hebräischen  Schriften  in  der
Regel  ohne  Vocalzeichen,  so  gibt  es  doch  Ausnahmen  (so  ist  nach  der
Mittheilung  des  Dr.  Pinsker  ein  Odessaer  Codex  der  Prophetae  posteriores ­
  vom  Jahre  917  unserer  Zeitrechnung  mit  Vocalzeichen,  und  zwar
übergesetzten,  versehen)  und  vollends  in  einem  Lehrbuche,  selbst
für  jüdische  Schüler,  wird  man  der  Punctation  nicht  haben  entrathen
können.  Wie  wenig  man  auch  über  ihren  Ursprung  weiss,  den  hebräischen ­
  Grammatikern,  die  im  11.  Jahrhunderte  beginnen,  lag  sie  als
etwas  Fertiges  vor;  die  Erfinder  derselben  müssen  daher  bedeutend
früher  gelebt  haben,  und  für  die  reine,  vollkommen  zuverlässige  Überlieferung ­
  der  echten  Aussprache  und  Bedeutung  war  sie  unentbehrlich. ­

Ich  glaube  also,  dass  der  einstige  Besitzer  dieses  Lehrbuches,
ein  mit  dem  hebräischen  Unterricht  in  einer  Synagoge  betrauter
jüdischer  Lehrer,  es  war,  der  das  Schlummerlied  auf  dem  Rande  desselben ­
  einschrieb.  Verhält  es  sich  damit  wirklich  so  —  und  ich
wüsste  nicht,  was  man  Gegründetes  dagegen  einwenden  könnte  —,  kann
es  dann  auffallen,  dass  er  die  ihm  durch  tägliche  Übung,  vom  Unterricht ­
  her,  geläufigen  Vocalzeichen  in  dem  flüchtig  hingeworfenen
deutschen  Schriftstück  hin  und  wieder  angewendet  hat?  Gewiss  eben
so  wenig  als  der  Gebrauch  des  hebräischen  Sajin  (r)  für  das  ihm  an
Gestalt  nicht  unähnliche  deutsche  g.  Bei  fünfmaligem  Vorkommen
sieht  keines  dem  andern  völlig  gleich,  ja  an  zwei  Stellen  (in  fnoziu
und  ueiziu)  ist  es,  wie  dergleichen  bei  raschem  Schreiben  geschehen
kann,  förmlich  hingesudelt.  Solches  würde  einem  Fälcher  niemals
begegnen.
Natürlich  ist  das  Lied  nicht  aus  mündlicher  Überlieferung  aufgezeichnet, ­
  sondern  einer  schriftlichen  Vorlage  entnommen;  denn  im
10.  Jahrhundert  gab  es  keine  heidnischen  Gesänge  mehr,  diein  dieser
Gestalt  im  Munde  des  deutschen  Volkes  noch  gelebt  hätten,  und  Herr
Grohmann  hat  mit  seiner,  volle  acht  Druckseiten  (S.  4—12)  einnehmenden ­
  Widerlegung  des  Zappert’schen  Ammenmärchens  etwas  sehr
Überflüssiges  gethan.  Was  den  jüdischen  Schulmeister  zurAufzeichnung
veranlasst  haben  mag,  können  wir  nicht  errathen;  vielleicht  hätte
uns  das  ganze  Blatt,  wäre  es  uns  erhalten,  darüber  Aufschluss  oder
doch  Anhaltspuncte  gegeben.  Aber  nicht  für  unmöglich  halte  ich,  dass
gerade  die  glossierten  Wörter  es  waren,  die  ihn  angezogen  haben,
            
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