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Pfeiffer
Feuchtigkeit ausgesetzt waren und dann auf nassem Wege abgelöst
und gewaltsam vom Leimüberzuge befreit wurden, häufig der Fall
zu sein pflegt. Die Dinte zeigt die bei alter Schrift so häufig vorkommende
gelbbraune Farbe, die Ränder der Buchstaben sind unter der
Loupe betrachtet — und dies ist ein sehr charakteristisches
Merkmal und ein starker Beweis für ihr Alter — in Folge des Druckes
mit dem Schreibrohr etwas erhöht und haben ein wulstiges Aussehen.
Die Schriftzüge sind weder schön noch regelmässig und verrathen
eine in deutscher Minuskel wenig geübte Hand. Dennoch ist bei
aller Verschiedenheit der einzelnen Buchstaben unter sieb der
Charakter der Schrift streng bewahrt, und darin, in der Freiheit der
Züge auf der einen, im Festhalten des Eigentümlichen auf der andern
Seite liegt wiederum ein grosser Beweis für die Echtheit, denn ein
Fälscher wird stets den Zügen einer bestimmten Handschrift und er
wird ihnen mit sclavischer Treue und Regelmässigkeit folgen.
Neben diesen nicht nur durchaus unverdächtigen, sondern das
Alter der Handschrift bestätigenden Erscheinungen bietet das Blättchen
allerdings einige andere ungewöhnliche, auffallende. Dazu
gehört das z, welches hier keine der üblichen deutschen Formen,
sondern die Gestalt des hebräischen Sajin, r, s, hat; noch überraschender
ist die Anwendung hebräischer Vocalzeichen "> :» •» für a, e, i.
Diese letzteren, im Verein mit dreien hebräischen Glossen, waren es,
die dem Verdacht gegen die Echheit am meisten Nahrung undAnhaltspuncte
gegeben haben. Auch J. Grimm nahm daran den grössten
Anstoss und meinte in seinem Briefe an Karajan: „wären nur die verfluchten
hebräischen Wörter und Punctierungen nicht!“ Ich gestehe
hierüber ganz entgegengesetzter Ansicht zu sein. Gewiss ist der Gebrauch
hebräischer Vocalzeichen in einem deutschen Sprachdenkmal
etwas Unerhörtes. Aber gerade darin erblicke ich, abgesehen von
allem andern, einen der stärksten Beweise für die Echtheit, und ich
hoffe, alle Diejenigen werden mir darin beistimmen, die aus dem vermeintlichen
Umstand, dass das Lied nichts Neues biete und nichts
enthalte, was nicht schon aus Graff’s Sprachschatz, aus Grimm’s Grammatik
undMythologie bekannt sei, den Hauptbeweis für die Unecbtheit
geschöpft haben. Wie sollte ein Betrüger darauf verfallen sein? Ein Fälscher
erfindet in der Regel nichts, am allerwenigsten solche rein
äusserliche, technische Dinge, seine ganze Kunst besteht in der Nachahmung
von schon Vorhandenem, in mehr oder minder geschickter