Pfeiffer
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hat, erklärt sich hinreichend durch die grosse Verschiedenheit, die
ungleiche Fette der Züge. In der ersten Zeile ist noch deutlich der
Überrest der z und f in lazef, dann der untere Theil der beiden uu
des Wortes triuua, natürlich genau sich deckend an der Stelle, wo
sie im Originale erscheinen, erkenntlich, und in der zweiten Zeile ein
guter Theil des f in flafcf und zwar ganz deutlich. Einige wenige,
etwa fünf bis sechs ganz kleine Spuren der letzten Zeile sind auch
noch erhalten, die mit ihren Entfernungen genau auf die einzelnen
gleichen Buchstaben der letzten Zeile fallen.“
So Karajan. Die Darlegung seines Verfahrens ist ebenso
anschaulich als das Ergebniss seiner Prüfung, was ich durch eigene
Ansicht bestätigen kann, genau der Wahrheit entsprechend. Die
betreffenden Blättchen sind nun der Handschrift (Cod. Suppl.Nr. 1668)
beigefügt, so dass Jedem Gelegenheit gegeben ist, sich von der
Bichtigkeit des Befundes zu überzeugen.
Was nun die Handschrift selbst und ihre äussere Beschaffenheit
betrifft, so enthält dieselbe nichts, was zu einem Verdachte an deren
Echtheit gegründeten Anlass geben könnte. Zwar meint Herr Grolimann
am Schlüsse seiner Abhandlung Seite 46: „Wenn sich unsere
gewiegten Paläographen in Wien der Mühe einer gründlichen Untersuchung
des Manuseriptes unterziehen wollten, so sei er fest überzeugt,
dass sie dasselbe in kurzem aus der k. k. Hofbibliothek herauswerfen
würden, als einen Wisch, dessen Vorhandensein jeden Germanisten
mit Scham und Entrüstung erfüllen müsse.“ Aber das Vollgefühl
der Unumstösslichkeit seiner auf sprachliche, mythologische,
litteraturhistorische und ästhetische Gründe gestützten Beweisführung
hat ihn die in solchen Dingen doppelt nöthige Vorsicht vergessen und
weit über sein eigentliches Ziel hinausschweifen lassen. In der That
hat es für die Paläographen und Germanisten Wiens nicht erst der
Aufforderung Herrn Grohmann’s bedurft, zu tliun, was ihres Amtes
ist; vielmehr ist, was hier von ihnen verlangt wird, weit früher, schon
vor Veröffentlichung des Liedes, von ihrer Seite aus eignem Antrieb
geschehen. Wenn demungeachtet die Handschrift von der k. k. Hofbibliothek
angekauft wurde und sorgfältig unter ihren übrigen
Schätzen verwahrt wird, so mag Herr Grohmann daraus entnehmen,
dass das Resultat der Untersuchung ein von seiner Erwartung gänzlich
verschiedenes war.