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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Pfeiffer

52
hat,  erklärt  sich  hinreichend  durch  die  grosse  Verschiedenheit,  die
ungleiche  Fette  der  Züge.  In  der  ersten  Zeile  ist  noch  deutlich  der
Überrest  der  z  und  f  in  lazef,  dann  der  untere  Theil  der  beiden  uu
des  Wortes  triuua,  natürlich  genau  sich  deckend  an  der  Stelle,  wo
sie  im  Originale  erscheinen,  erkenntlich,  und  in  der  zweiten  Zeile  ein
guter  Theil  des  f  in  flafcf  und  zwar  ganz  deutlich.  Einige  wenige,
etwa  fünf  bis  sechs  ganz  kleine  Spuren  der  letzten  Zeile  sind  auch
noch  erhalten,  die  mit  ihren  Entfernungen  genau  auf  die  einzelnen
gleichen  Buchstaben  der  letzten  Zeile  fallen.“
So  Karajan.  Die  Darlegung  seines  Verfahrens  ist  ebenso
anschaulich  als  das  Ergebniss  seiner  Prüfung,  was  ich  durch  eigene
Ansicht  bestätigen  kann,  genau  der  Wahrheit  entsprechend.  Die
betreffenden  Blättchen  sind  nun  der  Handschrift  (Cod.  Suppl.Nr.  1668)
beigefügt,  so  dass  Jedem  Gelegenheit  gegeben  ist,  sich  von  der
Bichtigkeit  des  Befundes  zu  überzeugen.
Was  nun  die  Handschrift  selbst  und  ihre  äussere  Beschaffenheit
betrifft,  so  enthält  dieselbe  nichts,  was  zu  einem  Verdachte  an  deren
Echtheit  gegründeten  Anlass  geben  könnte.  Zwar  meint  Herr  Grolimann
  am  Schlüsse  seiner  Abhandlung  Seite  46:  „Wenn  sich  unsere
gewiegten  Paläographen  in  Wien  der  Mühe  einer  gründlichen  Untersuchung ­
  des  Manuseriptes  unterziehen  wollten,  so  sei  er  fest  überzeugt, ­
  dass  sie  dasselbe  in  kurzem  aus  der  k.  k.  Hofbibliothek  herauswerfen ­
  würden,  als  einen  Wisch,  dessen  Vorhandensein  jeden  Germanisten ­
  mit  Scham  und  Entrüstung  erfüllen  müsse.“  Aber  das  Vollgefühl ­
  der  Unumstösslichkeit  seiner  auf  sprachliche,  mythologische,
litteraturhistorische  und  ästhetische  Gründe  gestützten  Beweisführung
hat  ihn  die  in  solchen  Dingen  doppelt  nöthige  Vorsicht  vergessen  und
weit  über  sein  eigentliches  Ziel  hinausschweifen  lassen.  In  der  That
hat  es  für  die  Paläographen  und  Germanisten  Wiens  nicht  erst  der
Aufforderung  Herrn  Grohmann’s  bedurft,  zu  tliun,  was  ihres  Amtes
ist;  vielmehr  ist,  was  hier  von  ihnen  verlangt  wird,  weit  früher,  schon
vor  Veröffentlichung  des  Liedes,  von  ihrer  Seite  aus  eignem  Antrieb
geschehen.  Wenn  demungeachtet  die  Handschrift  von  der  k.  k.  Hofbibliothek ­
  angekauft  wurde  und  sorgfältig  unter  ihren  übrigen
Schätzen  verwahrt  wird,  so  mag  Herr  Grohmann  daraus  entnehmen,
dass  das  Resultat  der  Untersuchung  ein  von  seiner  Erwartung  gänzlich ­
  verschiedenes  war.
            
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