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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung-  und  Kritik  auf  dem  Gebiete  des  deutschen  Alterthums  II.  5t

Bund  A.  (dem  untersten  des  Rückens)  die  Streifennummer  4.,  d.  h.
jene  des  zu  oberst  aufgeleimten  Pergamentstreifens.“
„Was  zeigte  sich  nun  auf  Streifen  A.  3.,  also  auf  dem  unter
A.  4.  befindlichen?  Der  Anfang  der  obersten  hebräischen  Zeile  des
Facsimiles  und  zwar  auf  dem  glücklicherweise  unbeschriebenen
Streifen  verkehrt  abgedruckt  oder  vielmehr  durch  den  Leim  mit  jenem
Streifen  so  fest  verbunden,  dass  hei  der  Ablösung  die  deutlichen
Spuren  der  fetten  hebräischen  Buchstaben  zurückblieben.  Die  viel
dünnere  und  flüchtigere  Schrift  des  Schlummerliedes  konnte  nun
freilich  weiter  unten  nicht  eben  so  deutlich  erscheinen.  Spuren  von
Schrift  sind  aber  auch  hier  vorhanden  und  mich  reizte  es  nun  zu
sehen,  ob  das  wirklich  Spuren  unseres  Schlummerliedes  seien  oder
nicht;  mit  andern  Worten:  ob,  da  der  Einband  dem  IS.  Jahrhundert
angehört,  schon  vor  vier  Jahrhunderten  unser  Lied  auf  demselben
stand  oder  erst  in  neuester  Zeit  hingefälscht  wurde  *).“
„Zur  strengsten  Prüfung  schlug  ich  nun  folgenden  Weg  ein.
Ich  machte  mir,  da  alles  auf  dem  darunter  liegenden  Blättchen
begreiflicherweise  verkehrt  erscheinen  musste,  was  das  Wiedererkennen ­
  der  Spuren  des  auf  entgegengesetzte  Weise  Überlieferten  bedeutend ­
  erschwert,  eine  getreue  Durchzeichnung  des  Ganzen  über  dem
Originale  selbst  und  zwar  auf  feinstem  Strohpapier,  kehrte  die  Durchzeichnung ­
  um  und  hatte  dadurch  auf  der  Rückseite  das  getreue,  aber
verkehrte  Bild.  Jetzt  konnte  ich  die  wenigen  erhaltenen  Spuren  der
kleineren  Schrift,  und  waren  sie  noch  so  unbedeutend,  auf  die  schärfste
Weise  prüfen,  denn  jetzt  mussten,  wenn  jeder  Zweifel  schwinden
sollte,  die  Spuren  auf  dem  Pergamentstreifen  (A.  3.)  mit  der  Durchzeichnung ­
  vollkommen  sich  decken.  Dazu  genügten  auch  die  geringsten ­
  Überreste.“
„Was  war  das  Ergebniss?  Die  wenigen  aber  deutlichen  Spuren
der  beiden  obersten  Zeilen  haben  die  scharfe  Probe  glänzend  bestanden ­
  und  sie  genügten,  mich  zu  überzeugen,  dass  zur  Zeit  der  Aufleimung ­
  diese  Schrift  bereits  auf  dem  Streifen  stand.  Dass  nicht  auch
diese  Schrift  mit  gleicher  Deutlichkeit  wie  die  hebräische  sich  erhalten

Dies  zu  erkennen  ist  unschwer.  Natürlich  drückt  auch  neuere  Schrift  beim  Aufkleben ­
  sich  ab,  aber  es  g-eschieht  in  ganz  andrer  Weise  und  weit  stärker,  als  bei
alter,  durch  lang-e  Jahre  völlig-  eingetrockneter  Schrift:  jene  fliesst  und  zeigt
ungleiche  Künder,  was  bei  dieser  niemals  der  Fall  ist.

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