Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

48

Pfeiffer

noch  weniger  die  Befähigung,  wenn  er  auch,  was  durchaus  zu  bezweifeln, ­
  dazu  die  Absicht  gehabt  hätte;  und  dass  er  auch  nicht  der
Betrogene  war,  wird  sich  im  Folgenden  deutlich  herausstellen.
Dies  vorausgeschickt,  wende  ich  mich  wie  billig  zuerst  der
Handschrift  zu  und  der  Frage  nach  ihrer  Herkunft  und  Beschaffenheit. ­
  Zappert  hat  sich  eingangs  seines  Aufsatzes  folgendermassen
darüber  geäussert:
„Bereits  im  September  des  J.  18S2  fand  ich  in  einer  Papierhandschrift ­
  (geschrieben  im  J.  143K)  des  häufig  vorkommenden,
Herzog  Albreeht  V.  gewidmeten  „Buches  der  Erkenntniss“  (auch
kurzhin  das  „Scheff“  genannt)  einen  als  Rücken-Heftpflaster  verwendeten ­
  Pergamentstreifen,  dessen  sichtbares  Ende  althochdeutsche
Worte  zeigte.  Gewinnung  näherer  Einsicht  in  dieses  Fragment
jedoch  hätte  ein,  damals  unausführbares  bewaffnetes  Vorgehen  gegen
den  rotldedernen,  der  Handschrift  gleichzeitigen  Einband  unerlässlich ­
  gemacht.  Nachdem  jedoch  in  der  zweiten  Hälfte  des  August
dieses  Jahres  jene  Handschrift  durch  Ankauf  in  meinen  Besitz  übergieng,
stand  jenem  operativen  Verfahren  weiter  kein  Hinderniss  entgegen.“
Was  man  bei  dieser  Beschreibung  vermisst,  ist  die  Angabe,  wo
Zappert  die  Handschrift  gefunden  und  von  we  m  er  sie  käuflich  erworben ­
  habe.  Bei  Auswärtigen  war  dies  Schweigen  wohl  geeignet,  Verdacht
zu  erregen,  aber  Z.  hatte  guten  Grund  dazu  und  konnte  schicklicher
Weise  nicht  mehr  sagen.  Wie  es  sich  damit  verhielt,  war  in  hiesigen
Gelehrtenkreisen  ein  öffentliches  Geheimnisse  man  wusste  genau,
woher  die  Handschrift  stammt  und  wie  sie,  zusammen  mit  andern,
darunter  dem  gleichfalls  und  mit  eben  so  viel  Unrecht  angefochtenen
ällesten  Plan  von  Wien,  in  Zappert's  Besitz  gekommen  war.  Sie
gehörte  nämlich  einem  hiesigen  Kloster  an,  das  gerade  zu  jener  Zeit
im  tiefsten  Verfalle  war  und  dessen  stumpfer,  fast  blödsinniger
Bibliothekar  Handschriften  und  Bücher  in  grosser  Zahl  an  Antiquare
und  Private  theils  verschenkte  theils  verkaufte  oder  vertauschte,  kurz
auf  die  gewissenloseste  Weise  verschleuderte.  Ich  selbst  war  einmal
Zeuge  der  dort  herrschenden  Wirtschaft,  als  ich  bald  nach  meiner
Hierherkunft  von  Dr.  Fr.  Stark  aufgefordert  in  seiner  Begleitung  die
Bibliothek  jenes  Klosters  besuchte.  Nachdem  uns  der  Bibliothekar
den  Saal  geöffnet,  verschwand  er,  uns  allein  lassend,  und  als  wir  nach
ein  paar  Stunden  uns  entfernen  wollten,  mussten  wir  ihn,  um  ihm
die  Schlüssel  zu  übergehen,  im  ganzen  Hause  suchen.  Für  eine
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.