Forschung und Kritik auf dem Gebiete des deutschen Alterthums II. 47
der kais. Akademie überreichten autobiographischen Notiz selbst
sagt t). Mit rastloser Thätigkeit durchlas und excerpierte er eine
Masse von Quellenschriften, so z. B. die ganze grosse Sammlung der
Acta Sanctorum, drang an Orte und in Bibliotheken ein, wo ausser
ihm nicht leicht ein Anderer Zutritt erhalten hätte, und wusste vermöge
eines nicht gemeinen Spürsinns mancherlei wichtige alte Handund
Druckschriften aufzufinden und zum Theile für sich zu erwerben.
Auf diese Weise brachte er für die Geschichte der Cultur, Litteratur
und Kunst im Mittelalter reichhaltigen Stoff zusammen, den er dann
in einer Reihe von Abhandlungen und Aufsätzen, die zumeist in den
Schriften der kais. Akademie erschienen, zu verwerthen suchte. Aber
unruhig und ungeordnet, wie sein ganzes Wesen und Schaffen war,
tragen auch seine Arbeiten nur zu deutlich die Spuren dieser Art an
sich und über ein planloses unlogisches Aneinanderreihen von wichtigen
und mehr noch unwichtigen Notizen erhebt sich keine derselben.
Seinen persönlichen Charakter anlangend schildern ihn diejenigen,
die ihn näher kannten 2 ), als misstrauisch, schweigsam und
verschlossen (was zum Thcil Folge seiner Taubheit mag gewesen
sein), halten ihn aber in seinen Forschungen für zuverlässig und
einer Fälschung, wie der des Schlummerliedes, unfähig. Diesen Eindruck
haben Zappert’s Schriften auch auf J. Grimm gemacht, der im
oben erwähnten Briefe an Karajan über ihn schreibt: „er hatte die
bescheidene jüdische Zudringlichkeit, aber für gewissenhaft und ehrlich
hielt ich seine geschmacklosen Compilationen dennoch“. Und
auch ich kann nicht anders urtheilen; ich kannte ihn zwar nur vom
Sehen, man zeigte mir ihn, als er auf der Universitätsbibliothek eben
an der Abhandlung über das Schlummerlied arbeitete. Aber wer ihn
dort gesehen hätte, wie er sich unter Haufen von Büchern mehrere
Wochen hindurch mühte und plagte, um das an sich so einfache und
doch für ihn so schwierige Lied auf die mangelhafteste Weise zu erklären,
der würde gleich mir jeden Gedanken an eine Täuschung abweisen.
Zu einem solchen Betrüge hesass er gar nicht die Ruhe und
*) Dieser sind auch die vorhergehenden, im 10. Jahrg. des Almanach’s der kais. Akad.
der Wissenschaften (1860) S. 89—91. mitgetheilten Daten entnommen.
2) Darunter gehört auch Karajan, der von den Studentenjahren her mit ihm bekannt
war und mir mit dankenswerter Gefälligkeit seine J. Grimm erteilten schriftlichen
Auskünfte über Z. und seinen Fund zur Verfügung gestellt hat.