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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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Pfeiffer

machen.  Das  Wichtigste  darunter  ist  die  Erklärung  zweier  Wörter,
die,  von  Niemand  noch  verstanden,  zeigen,  dass  das  Lied  von  allem
Räthselhaften  und  Neuen  doch  nicht  ganz  entblösst  ist.  Ich  werde  im
Verlauf  meiner  Untersuchung  auf  diesen  Brief  öfter  zurückkommen.
Ich  selbst  hatte  längst  die  Absicht,  über  das  Lied  zu  schreiben;
J.  Grimm  wusste  davon  und  hat  mich  wiederholt  daran  gemahnt.
Anfangs  zögerte  ich  absichtlich,  weil  ich  erst  die  Gegner  sich  wollte
aussprechen  lassen.  Später  kam  dann  allerlei  Aufhaltendes  und  Störendes ­
  dazwischen,  und  als  ich  merkte,  dass  Grimm  seihst  Hand  anzulegen
Lust  trug,  wollte  ich  ihm  nicht  vorgreifen.  Nun  aber  diese  Hand  im
Tode  erstarrt  ist,  will  ich,  wenn  auch  mit  schwächerer  Kraft,  zu  thun
versuchen,  was  von  hier  aus  längst  hätte  geschehen  sollen.  Das  so  lange
beobachtete  Schweigen  hat  den  Verdacht  gestärkt  und  den  Zweifel
sich  tiefer  einfressen  lassen,  als  sonst  wohl  der  Fall  gewesen  wäre;
aber  noch  ist  es  hoffentlich  nicht  zu  spät,  der  Wahrheit  zu  ihrem
Rechte  zu  verhelfen.
Ich  scheide  meine  Untersuchung  in  zwei  Theile,  der  erste  wird
sich  mit  den  äussern  Momenten,  der  zweite  mit  den  innern  Gründen
beschäftigen.
1.
Bevor  ich  zum  eigentlichen  Gegenstand  der  Untersuchung
schreite,  muss  ich  einen  Punct  zur  Sprache  bringen,  dessen  Erörterung ­
  hier,  wo  es  sich  um  Echtheit  oder  Fälschung  eines  Denkmals
des  Alterthums  handelt,  nicht  umgegangen  werden  kann:  ich  meine
die  Frage  nach  der  Persönlichkeit  des  Entdeckers  und  Herausgebers.
Georg  Zappert,  geboren  am  7.  Dec.  1806  zu  Alt-Ofen  (f  zu
Wien  22,  Nov.  1839),  erhielt  als  das  einzige  Kind  wohlhabender
jüdischer  Eltern  eine  sorgfältige  Erziehung  und  gelehrte  Bildung  auf
dem  Gymnasium  zu  Pest  und  an  der  Universität  zu  Wien.  Er  widmete
sich  anfangs  der  Medicin,  aber  nach  seinem  im  J.  1829  erfolgten
Übertritt  zur  römisch-katholischen  Kirche  wandte  er  sich  dem
Studium  der  Theologie  zu.  Doch  schon  nach  zwei  Jahren  verlor  er  in
Folge  einer  schweren  Krankheit  fast  gänzlich  das  Gehör.  Dadurch
genöthigt,  die  theologische  Laufbahn  zu  verlassen,  lebte  er  von  nun
an  ganz  seinen  Lieblingsstudien,  „der  Erforschung  der  Vergangenheit, ­
  insonderheit  der  mittelalterlichen  Zustände“,  wie  er  in  einer
            
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