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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Beiträge  zur  älteren  deutschen  Sprache  und  Literatur.

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an  den  Teufel  von  dessen  Macht  zu  erlösen.  Der  Teufel  hatte  eine
Ungerechtigkeit  begangen,  indem  er  den  Menschen,  der  das  natürliche
Eigenthum  Gottes  war,  raubte,  Christus  kaufte  uns  aber  durch  seinen
Tod,  ohne  Gewalt  zu  brauchen,  wieder  von  ihm  los  ,  und  hat  so  ohne
die  Gerechtigkeit  zu  verletzen,  das  Menschengeschlecht  wieder  aus
seiner  Gewalt  befreit,  er  löste  uns  mit  seinem.  Blute,  gab  seine  Seele
für  unsere  Seele  und  sein  Fleisch  für  unser  Fleisch  und  versöhnte
dadurch  das  sündige  Fleisch  Adams  mit  Gott.  Er  goss  den  Geist
des  Vaters  ans,  um  Gott  und  den  Menschen  zu  vereinigen  und.  wie  er
durch  diesen  Geist  Gott  zu  den  Menschen  hernieder  brachte,  so
brachte  er  durch  seine  Menschwerdung  den  Menschen  zu  Gott  hinauf.
Dadurch  wurde  die  Feindschaft,  welche  zwischen  Gott  und  dem
Menschengeschlechte  bestand,  aufgehoben,  weil  Jesus  als  ein  Opfer
für  die  Sünden  der  Welt  am  Kreuze  starb.  Die  Opfer  des  A.  T.
hatten  die  Sünden  Einzelner  oder  des  israelitischen  Volkes  versöhnt,
weil  das  Blutvergiessen  als  Strafe  die  Sünde  mit  der  Strafe  aufhebt. ­
  Diese  Opfer  waren  nur  Vorbilder  für  das  Opfer,  welches
die  Sünden  der  ganzen  Menschheit  wegnehmen  sollte.  Dieses  Opfer
ist  Christus,  der  unsere  Sünden  auf  sich  nahm  und  die  eigentlich  uns
gebührende  Strafe  am  Kreuze  litt.  Dies  ist  im  Wesentlichsten  die
Lehre  des  Irenaeus  und  Origines,  welcher  mit  den  späteren  Kirchenvätern ­
  auch  Augustin  beipflichtete.
Eine  andere  Version  gründet  sich  auf  das  Moment,  dass  der
Teufel  auf  dieselbe  Weise  besiegt  werde,  wie  er  selbst  den  Menschen
besiegt  hatte,  nämlich  durch  List.  Diese  Idee  hat  besonders  Gregor
von  Nyssa  in  seiner  Orat.  catech.  cap.  22  ff.  weiter  ausgeführt.
Dem  Teufel  musste  ein  Lösegeld  bezahlt  werden:  nach  seiner  Selbstsucht ­
  aber  konnte  er  nichts  Geringes  annehmen.  Nur  wenn  er  etwas
Höheres  und  Werthvolleres  zu  erhalten  hoffen  konnte,  etwas  was
seinem  Stolze  neue  Nahrung  gab,  wollte  und  konnte  er  sich  zu  einem
solchen  Tausche  verstehen.  Da  er  nun  noch  an  keinem  Menschen
solche  Vorzüge  wahr  genommen  hatte  als  an  Jesus,  so  glaubte  er  in
ihm  noch  mehr  zu  bekommen,  als  er  schon  hatte.  Hier  entsteht  aber
nun  der  Zweifel,  wie  konnte  der  Teufel  auch  nur  den  Gedanken
haben  sich  Jesu  zu  bemächtigen,  wenn  er  die  Vorzüge  desselben,  die
ihn  so  lüstern  machten,  als  Eigenschaften  der  ihm  überlegenen  Gottheit ­
  erkannte  ?  Um  diesen  Zweifel  zu  beseitigen,  geht  Gregor  v.  Nyssa
über  Origines  dadurch  hinaus,  dass  er  auch  schon  die  Menschwerdung
Sitzl).  d.  phil.-liist.  CI.  LII.  Bd.  II.  Hft.  30
            
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