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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung:  und  Kritik  auf  dein  Gebiete  des  deutschen  Alterthums  II.  ,i  9

III.  FULDAER  BEICHTE.
Diese  Formel  ist  zwar  längst  bekannt  und  öfter  gedruckt,  aber
die  Handschrift,  aus  der  sie  Achilles  Pirminius  Gassar  in  der  Vorrede
zu  seiner  Ausgabe  des  Otfried  (Otfridi  Eyangeliorum  Liber.  Bas.
1571.  8°)  als  „Form  oder  weiss  zu  beichten,  bey  de  alten  Teutschen,
auss  einem  alten  Kirchenbuch  geschrieben“  zuerst  mitgetheilt  hat,
war  verschollen  und  ist  erst  neuerlich  wieder  zum  Vorschein  gekommen. ­
  Sie  befindet  sich  auf  der  Universitätsbibliothek  zu  Göttingen
unter  der  Bezeichnung  Cod.  MS.  Tlieol.  231.  Wann  und  durch  wen
oder  auf  welche  Weise  sie  dorthin  gekommen,  kann  nicht  mehr
gesagt  werden.  Nur  so  viel  ist  sicher,  dass  sie  aus  Fulda  stammt
und  für  die  Ecclesia  S.  Salvatoris  Fuldensis  geschrieben  war,  Bl.  lll b
heisst  es:  „Eode  die  dedicat  Basilice  sei  Salvatoris  in  monast
Fuld.“
Diese  Nachricht  sammt  einer  zeilengetreuen  Abschrift  verdanke
ich  der  freundlichen  Zuvorkommenheit  des  Herrn  Bibliotheksecretärs
Dr.  W.  Müldener  daselbst,  und  seine  Güte  macht  es  mir  möglich,  eine
genaue  Beschreibung  liier  geben  zu  können.
Die  von  einer  Hand  des  9.  Jahrhunderts  auf  Pergament  sehr
schön  und  sorgfältig  geschriebene,  mit  zahlreichen  Initialen  und
Miniaturen  geschmückte  Handschrift  zählt  256  Folioblätter,  meist
in  Spalten.  Den  Inhalt  bildet  ein  lateinisches  Missale.  Die  deutsche
Beichte  steht  auf  Bl.  187“~ d .  Die  ganze  obere  Hälfte  der  ersten  Blattseite ­
  (187 ab )  nimmt  eine  Miniatur  ein,  einen  Bischof  mit  dem  Krummstabe ­
  darstellend,  zur  Linken  geistliches  Gefolge,  zur  Rechten  in
demüthiger  Stellung  und  Gebärde  Männer  aus  dem  Laienstande,
hinter  diesen  Frauen.  Darauf  folgt,  als  einzeln  stehende  Zeile,  die
rothe  Überschrift:  „Ineipit  confessio“.  Am  Schlüsse  stehen,  gleichfalls
roth  geschrieben,  die  Worte:  „Post  confessionem  |  dicatque  sacerdof
  |  hanc  orationem.“  Bl.  1SS C  beginnt  eine  lange  Litanei  mit  dem
Kyrie,  dann  werden  einzeln  angerufen  Maria  genitrix,  Maria  virgo,
angeli,  archangeli,  patriarchse,  JohannesBaptista,  prophetm,  17  Apostel,
dann  63  Märtyrer,  darunter  mit  Goldschrift  ausgezeichnet  „sce  bonifati“,
  46  Confessores,  48  heilige  Frauen.  Eines  Königs  oder  Kaisers
wird  überall  nicht  gedacht.  Aus  dem  auf  Bl.  250 b —256 b  enthaltenen
Kalender  geht  nach  der  Versicherung  des  alten  Tob.  Mayer,  von
            
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