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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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Pfeiffer

verbreitet  und  bekannt,  so  dass  man  sich  nicht  wundern  darf,  Anklängen ­
  daraus  in  den  verwandten  Stücken  zu  begegnen.  So  stimmt
die  s.  g.  baierische  Beichte  (s.  MS.  Denkm.  LXXI)  in  ihrem  Eingang
1  •—  6  fast  wörtlich  darin  überein.  Die  Berührung  ferner  mit  dem
Wessobrunner  und  dem  s.  g.  fränkischen  Gebet  ist,  nachdem  schon
vor  bald  vierzig  Jahren  W.  Wackernagel  (s.  dessen  Ausgabe  des
Wessobr.  Gebetes.  Berlin  1827.  S.  12)  darauf  hingewiesen  hatte,  auch
den  Herausgebern  der  „Denkmäler  deutscher  Poesie  und  Prosa“  (s.
S.  494)  nicht  entgangen.  Man  vergleiche:  Cot  almalitico  —  forkip
mir  —  rehta  galaupa  enti  cötcin  uuilleon  Wessobrunner  Gebet
(ebd.  I,  9  —13)  und  truhtin  god  —  forgip  mir  gauuitzi  indi  rehtan
galaupan  —  indi  guodan  uuilleon  fränk.  Gebet  (ebd.  LYIII.)  mit
unserer  Formel  27—36:  trohtin,  kot  almahtigo,  kauuerdo  mir  —
fnrkepan  kauuizzida  —  ia  gaotan  uuillun  saman  mit  reliten
galaupon.  Die  Verwandtschaft  aller  drei  unter  sich  ist  unverkennbar;
nur  wird  es  sieb,  nun  das  hohe  Alter  unserer  Formel  festgestellt  ist,
mit  der  Entlehnung  etwas  anders  verhalten,  als  in  den  „Denkm.“
S.  460.  461.  und  494  (womit  indess  die  Bemerkung  auf  S.  246
nicht  recht  in  Einklang  steht)  angenommen  wird:  weder  hat  das
Wessobrunner  Gebet  aus  dem  fränkischen,  noch  unsere  Formel  aus
beiden  geschöpft;  vielmehr  wird  man  geneigt  und  berechtigt  sein,
das  grössere,  in  sich  abgerundete  und  in  strengem  Gedankenzusammenhang ­
  verfasste  Schriftstück  als  die  Quelle  und  die  beiden
kleinern,  eines  solchen  Zusammenhangs  entbehrenden,  fragmentarischen ­
  Stücke  als  daraus  abgeleitet  zu  betrachten.  Die  zwei  Zeilen,
aus  denen  das  fränkische  Gebet  besteht,  werden  vermuthlich  im
Kloster  zu  St.  Emmeram  selbst,  von  einem  Franken  (was  wahrscheinlicher ­
  ist  als  das  Umgekehrte),  der  unsere  Formel  hat  lesen
hören  oder  selbst  gelesen  hat,  in  die  auf  Befehl  des  Begensburger
Bischofs  Baturich  im  J.  821  angelegte  Handschrift  eingeschrieben
sein,  und  der  Schreiber  des  Wessobrunner  Gebetes  hat,  wie  die  erste
Hälfte  aus  einer  allitterierenden  heidnischen  Kosmogonie  in  sächsischer ­
  Sprache,  so  die  zweite,  zum  Tlieil  wenigstens,  aus  dem
Regensburger  Gebet  entnommen,  beide,  was  niemand  unglaublich
scheinen  dürfte,  aus  der  Erinnerung.  Dies  wird  der  natürliche,  weil
einfachste  Hergang  sein.
            
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