Beiträge zur älteren deutschen Sprache und Literatur.
433
Wallfahrt der praevius dux et incentor. Eine solche lohende Erwähnung
war auch vor und nach jener Zeit, wie wir bestimmt wissen,
sogar sehr gewöhnlich. Ich verweise auf Otfried und später auf
Heinrich’s Litanei, Massmann 890 und Gehugede ebda. 990, wo im
erstem der Abt Engelbert, im zweiten der Abt Erchenfried in dem
Text genannt werden. Ein Gleiches that auch der Pfaffe Conrad im
Rolandsliede.
3, 11. du spräche] beide Worte zählen, wie solches in dieser Zeit sehr
häufig war, nicht im Verse, sehr viele Beispiele liefert davon auch
Servatius. Die Ergänzung dfn gebot behielten, daz, ergibt sich
leicht aus Str. 8, 11. 12 .wo ganz dieselben Worte gebraucht werden;
vgl. auch Genes. D. 13, 24. u. Melle. Marienl. Fdgb. 2, 143, 19.
4, 1. Nach Strophe III folgt in der Ilds. die Strophe VI. Ich glaube mit
Unrecht; denn auf die III. Strophe, in ivelclier der Verf. ausdrücklich
sagt vom Evangelium Johannis reden zu wollen, folgen am besten die
beiden Strophen IV und V. Diem. 320, 20— 321, 9. Wärer got
und Got du geseuofe allez, weil nach den Worten Johannis omnia
per ipsum facta sunt die Schöpfung Himmels und der Erde zuerst
und dann die des Menschen erzählt wird. — Auch heisst es in II,
3 ff. dass er zuerst von dem rehten anegenge, d. i. von Christus als
dem Schöpfer der Welt reden wolle. Aber auch sonst schliesst sich
die Strophe Wärer got, am besten an die vorangehende, indem der
Verf. hier in derselben Weise direct mit der zweiten Person fortfährt:
Herr, du sagtest, dass wenn wir dein Gebot befolgten, wir das Himmelreich
erhielten. Dieses Gebot besteht aber zunächst im Glauben an
Gott — und diesen bekennt er alsogleich durch sein gebetartiges Lob,
in welchem er Christus zuerst als den wahren Schöpfer der Welt und
des geistigen Menschen, dann VI erst als den des leiblichen darstellt.
Dass aber Christus als der eigentliche Schöpfer der Welt betrachtet
wurde, ist eine in der alten sowohl als neuen Theologie allbekannte
Sache. Sie gründet sich auf den Ausspruch des Evangeliums Johannis
omnia per ipsum facta sunt und wird auch in den Dichtungen
dieser Zeit oftmals wiederholt. So heisst es in der ältern Judith
Diem. 118, 20 ausdrücklich: wir giloubin ani den crist der gischüf
alliz daz dir ist, der der hiz werdin den himil joch di erdin und
wiederholt ebenso 120, 28. Vgl. noch Müllenh. Amsteiner Marienlied
XXXIII, 100 fl', und die Anmerkung zu 4, 2. 3. Dass sich der
Verf. hier sowohl als in den Strophen V, 1. VI, 1. XII, 8—12. des