Forschung’ und Kritik auf dein Gebiete des deutschen Alterthums II.
29
Geminiertes cch erscheint nur einmal in A: kadanccho (vgl.
gotli. paggkjati), in B dafür ch, hier sowohl als 57 (gadanchä)
und mit A in tranche 17. — Statt der Gemination kk
(= gotli. g) in kihukku 7. 8 A bietet B die ungewöhnliche Form gk.
Inlautendes hh zeigt sich nur in B: uuahhento 11, A gebraucht, hier
sowohl wie bei dem in B fehlenden rilie 31, nur einiaches h nach
älterer Weise. — Die schon in den ältesten Denkmälern, namentlich
bei Kero, häufige unstatthafte Geminfition des f nach langem Vocal
stellt zweimal gleichmässig in A und B: släffanto 11, sldffe 19, an
letzterer Stelle ist das zweite f in A sogar nachträglich erst übergeschrieben.
Die Linguales sind in beiden Handschriften durchaus gleichförmig,
den streng-althochdeutschen Lautgesetzen gemäss behandelt,
also t = gotli. d und d = gotli. p; die Aspirata tli kommt so wenig
vor als dli. Eine tadelnswerthe Gemination des t nach Consonant
steht in A: uueroltti 23, wohl nur ein Schreibfehler, obgleich ähnliche
Verdoppelungen auch anderwärts, freilich meist nur in jüngeren
Denkmälern, Vorkommen, z. B. im St. Galler Glauben II. (MS. Denkm.
Nr. LXXXIX): allernveltten 19, trehttines 46, doch auch Kero:
rehtteru 113.
Wie bei den Lauten, so tritt das höhere Alter der Handschritt
A auch bei den Flexionen, hier noch deutlicher, ins Licht. Auf Grund
sorgfältiger Beobachtung des herrschenden Gebrauches hat Franz
Dietrich in seiner trefflichen Abhandlung: „Historia declinationis
theotiscae primariae“ (Marburg 1859. 4°) S. 4—5 abweichend von
J. Grimm dargethan, dass im 8. Jahrhundert die regelrechte Flexion
des Dat. sg. der Masc. und Neutr. der ersten und zweiten st. Declination
nicht a, sondern e ist, und dass, was von dieser allgemeinen
Regel abweicht, entweder älter oder jünger ist. In der ältesten Zeit
gehört der Dativ auf a zu den höchst seltenen Ausnahmen: in der
Übersetzung des Isidor und den Hymnen findet er sich nur je einmal,
in Kero’s Glossar und Benedictiner Regel nur je zweimal, während
der auf e auslautende Dativ überall sehr zahlreich vorkommt. Erst
von der Mitte des 9. Jahrhunderts an wächst dann der Gebrauch des
«, zunächst in den Adj. pl. masc., greift dann, unter Lockerung aller
Ordnung der alten Vocale, immer weiter um sich und wird im
10. Jahrhundert in Baiern und Österreich zum herrschenden Gesetz,
ln der aus dieser Zeit stammenden Handschrift B das a überall durch-