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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Die  Kosenamen  der  Germanen.

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sein  eigenes  anerkannte  und  am  Leben  lassen  wollte,  aufheben  liess
vom  Boden,  auf  dem  nach  alter  Sitte  die  Mutter  es  geboren  hatte,
es  sodann  mit  Wasser  begoss  und  ihm  einen  Namen  gab.  Zuweilen
verzichtete  er  zu  Ehren  eines  angesehenen  nahen  Verwandten  auf
sein  hausväterliches  Amt.  So  überliess  König  Erich  Blutaxt  von  Norwegen ­
  die  Taufe  seines  Söhnleins  seinem  Vater  Harald  Schönhaar,
der  ihm  den  eigenen  Namen  gab.  Zuweilen  wurde  die  Namengebung
der  Mutter  überlassen.  So  that  der  Niälssage  c.  14  zufolge  Glum,
und  seine  Frau  Hallgerd  nannte  ihr  Töchterlein  nach  der  Grossmutter ­
  Thorgerd.
Dieselbe  Sitte  bestand  bei  anderen  germanischen  Stämmen,  und
wir  wissen  durch  Beispiele  aus  der  historischen  Zeit,  dass  bei  mehreren ­
  der  Name  des  Kindes  den  Namen  der  Eltern  nachgebildet  und
dem  Kinde  so  ein  Stempel  der  Verwandtschaft  aufgedrückt  wurde.
Oft  wurde  der  volle  Name  des  Vaters  oder  der  Mutter  auf  das
Kind  übertragen.
So  wurden  nach  den  Eyrbyggja  saga  c.  12  und  63  Vesteinn
und  Arni,  nach  den  Trad.  Corb.  c.  23  Bernhard,  c.  43  Folchard,
c.  129  Haddi,  c.  132  Thiadricus,  c.  194  Gerold,  'c.  222  Volcmar
wie  ihre  Väter,  Geringus  aber,  Sohn  der  Ger  Inga  und  des  Waldegaud,
ssec.  8.  Polypt.  Irm.  91,  106  wie  seine  Mutter  benannt.
Oft  wurde  bei  der  Bildung  des  Kindernamens  der  Name  des
Vaters  und  der  der  Mutter  zugleich  berücksichtigt.  Aus  je  einem
dieser  zweigliedrigen  Namen  wurde  ein  Wort  genommen,  und  die
Composition  beider  ergab  den  Namen  für  das  Kind.
So  heissen  z.  B.  im  Polyptichon  Irminonis,  das  dem  achten
Jahrhundert  entstammt,
die  Eheleute  Teudulfus  und  Ercamberta,  die  Tochter  Teutberta
  148,  92;
die  Eheleute  Adregaudus  und  Ansegundis,  die  Tochter  Adregundis
  78,  14;
die  Eheleute  Frodoardus  und  Erbedildis,  der  Sohn  Erboardus
77,  9;
die  Eheleute  Altanus  und  Bertoina,  der  SohnÄltbertus  137,47;
die  Eheleute  Aclehardus  und  Teudildis,  ein  Sohn  2'eutliardus
eine  Tochter  Aclehildis  7,  8.
In  der  Niardvikingasaga  (Laxd.  s.  p.  364  Hafniae,  1826)  heissen
die  Eheleute  Ke  tili  und  Porgerdr,  der  Sohn  Porkell  (d.  i.  Porketill).
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