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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung-  und  Kritik  auf  dem  Gebiete  des  deutschen  Altcilhums  II.

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Betrachtet  man  die  beiden  neben  einander  gestellten  Aufzeichnungen, ­
  so  erkennt  man  auf  den  ersten  Blick,  dass  der  Text,  den  die
Tepler  Handschrift  (A)  gewährt,  nicht  allein  weit  vollständiger,  sondern ­
  auch  alterthümlicher  ist  als  der  der  Münchner  (B).  Doch  kann
A  nicht  wohl  die  Quelle  von  B  sein,  vielmehr  sind  beide  Abschriften
einer  altern,  wahrscheinlich  nicht  einmal  derselben  Vorlage,  denn
die  Unterschiede  beider  sind  zu  gross,  als  dass  nicht  von  der
Urschrift,  aus  der  A  vielleicht  unmittelbar  geflossen  ist,  zu  B  eine
Zwischenstufe  angenommen  werden  müsste.  Wie  dem  indess  sein
mag,  jedesfalls  hat  A  neben  den  Ausdrücken  die  alten  Laute  und
Formen  weit  treuer  und  sorgfältiger  bewahrt  als  B,  wo  sie  zwar
ebenfalls,  doch  weit  sparsamer  erscheinen  und  meist  jüngern  Bildungen ­
  gewichen  sind.
Jene  Laute  und  Formen  der  Tepler  Handschrift  sind  merkwürdig
genug,  um  das  Denkmal  zu  einem  wichtigen  zu  machen,  denn  sie
tragen  fast  noch  durchwegs  das  s.  g.  streng-althochdeutsche  Gepräge, ­
  wie  wir  es  nur  in  den  ältesten  Quellen  antreffen.  Nehmen  wir
zuerst  die  Vocale,  so  finden  wir  die  alte  tonlose  Partikel  ga-  (ka
ca-)  in  A  noch  überall  bewahrt,  während  sie  in  B  mehrfach  schon
zu  gi-,  ge-  geschwächt  ist.  kadanccho  (gadanclio  B)  7,  cadanc
(gadancha  B)  37.  kamst  (kenis  B)  20.  30,  kanädä  (ginädä  B)
20.  31.  43.  31,  Cgenddd  B)  34.  02,  kanädigo  (ganädigo  B)  47.
kauuerdo  28.  29.  32.  40.  47.  64,  kauuizzida  (keim.  BJ  33.  galaupon
  36.  ka-  (ga-)  nerien  41.  63,  ganerienne  (gen.  B)  39,  cahaltan
40.  —  Die  Partikel  far-  lautet  an  beiden  gemeinsamen  Stellen  20
farkip,  30  farkepati  übereinstimmend;  dasselbe  gilt  von  dem  dreimaligen ­
  miffa-  3.  4  und  von  za  37.  39.  Ausserdem  erscheint  farnoch
  zweimal  in  A  37  fargepan  und  49  fartdnemo.
B  gebraucht  ausschliesslich  die  Form  trohtin  1.19.  27.  38.  42.
46.  32.  36.  61.  63,  A  daneben  an  drei  Stellen  die  vorzugsweise  den
altern  Quellen  eigene  truhtin  46.  36.  61.  —  Ein  eigenthümlicher
Wechsel  zeigt  sich  in  dem  zweimal  vorkommenden  Worte  uueralt,
uuerolt,  indem  beide  das  eine  Mal  diese,  das  andere  Mal  jene  Form
setzen:  uueroltti  A,  uueralti  B  23,  uueralt  A,  uuerolt  B  38.  —  Die
Conjunction  'oder’  lautet  in  B  3.  8.  9.  10.  11  durchaus  oda,  in  A
alterthümlicher  einmal  edo,  sonst  immer  osdo,  eine  Form,  die  bis
jetzt  unhelegt  ist  (vgl.  Graft"s  Sprachschatz,  1,  147).
            
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