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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung  und  Kritik  auf  dem  Gebiete  des  deutschen  Alterthums  II.

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schwächliche  hinfällige  Knabe  in  seinem  18.  Jahre  ohne  Nachkommenschaft ­
  starb  und  an  ein  gedankenloses  Heriibernehmen  des  Ausdrucks
„regalem  prolem“  aus  einer  ältern  Vorlage,  hei  der  sonstigen  Bestimmtheit ­
  der  Angaben,  schwer  zu  glauben  ist.  Es  kann  sich  also
nur  noch  um  König  Ludwig  den  Deutschen  und  dessen  Sohn  Ludwig
den  Jüngern  handeln.  Des  Letztem  Regierung  war  aber  überhaupt
nur  von  kurzer  Dauer  (876—882),  von  noch  kürzerer  seine
Beziehungen  zu  Baiern,  die  erst  mit  der  Besitzergreifung  von
Karlmann’s  Reich  im  Mai  oder  Juni  des  J.  880  beginnen  und  schon
im  Jahre  882  mit  seinem  Tod  ein  Ende  nehmen  (vgl.  Böhmer’s
Reg.  Nr.  889.  890).  Während  seiner  Anwesenheit  in  Regensburg,
wo  er  sich  nach  des  Bruders  Tode  von  den  Baiern  als  ihrem  nunmehrigen ­
  Könige  huldigen  Hess,  verlor  er  durch  einen  Sturz  aus
dem  Fenster  seinen  einzigen  noch  im  zartesten  Kindesalter  stehenden
Sohn  Ludwig,  so  dass  hier  in  Bezug  auf  die  „proles  regalis“  der
Litanei  sich  dasselbe  Bedenken  erhebt  wie  bei  Ludwig  dem  Kinde.
Demnach  bleibt  bloss  Ludwig  der  Deutsche  übrig,  und  in  Erwägung ­
  aller  hierbei  in  Betracht  kommenden  Umstände  zweifle  ich
nicht,  dass  er,  und  nur  er,  unter  dem  „rex  Ludouuicus“  der  Litaneien
zu  verstehen  ist.  Länger  als  nur  wenige  Fürsten  über  ein  Volk
geherrscht  haben,  von  825—876,  also  durch  volle  fünfzig  Jahre,  war
Ludwig  der  Deutsche  König  der  Baiern.  Die  Vorzüge  seines  Geistes
und  Charakters,  seine  Klugheit,  Milde  und  Gerechtigkeit  erwarben
ihm  die  allgemeine  Liebe  und  Achtung.  „Die  aufrichtige  Verehrung
und  Dankbarkeit  seines  Volkes  folgte  ihm  im  Grabe  nach,  denn  unter
all’  den  Zeugnissen,  die  sich  aus  dessen  Mitte  über  sein  Leben  und
Thun  vernehmen  lassen,  begegnet  uns  keine  einzige  tadelnde,  wohl
aber  viel  lobende  Stimmen,  die  fern  von  dem  Verdachte  der
Schmeichelei  sind“  (Diimmler,  Geschichte  des  ostfränkischen  Reiches,
1,  849).  Unter  den  Städten  seines  Reiches  hatte  er  für  Regensburg
eine  besondere  Vorliebe;  auch  nach  seiner  Erhebung  zum  König  in
Ostfranken  (833)  verweilte  er  nächst  Frankfurt  nirgends  öfter  und
länger  als  dort.  Regensburg  darf  auch  insofern  als  Ludwig's  eigentliche ­
  Residenz  betrachtet  werden,  als  seine  Gemahlin  Hemma  dort
ihren  beständigen  Wohnsitz  hatte.  In  beiden  Städten  liess  er,  nach
dem  Muster  der  von  seinem  Grossvater  Karl  dem  Grossen  in  Aachen
erbauten  Kirche,  ebenfalls  für  den  Hof  Marienkirchen  errichten,  die
durch  ihre  Schönheit  die  Bewunderung  der  Zeitgenossen  erregten
            
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