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willkürliche Verstümmelungen und abnorme Eigenheiten angesehen
werden. Eine selche Auffassung ist aber ganz unstatthaft. Sie würde
der Forschung einen der Trägheit und Unfähigkeit bequemen Riegel
vorschieben und jede Erklärung dieser auf dem Sprachgebiete bedeutsamen
Erscheinungen fern halten, aber auch im Widerspruche
stehen mit der Organisation des menschlichen Geistes, der hei allem
Thun stetsund überall, wenn auch nicht jederzeit dessen sich bewusst,
dem leitenden Zügel der ihm innewohnenden logischen Gesetze folgt,
und sich diesem nicht entzieht, so lange er in seinen normalen Functionen
ungestört ist.
Ich war daher bemüht, das Ergehniss des einfachen Denkens:
dass die germanischen Kosenamen, weil dem Menschengeist entsprossen,
organische Sprachgebilde seien, im Detail nachzuweisen,
und die Gesetze, die hei der Bildung dieser gar mannigfach gestalteten
Namen angewendet erscheinen, auf sicherer Grundlage zu
erörtern. Dass diese Gesetze keine anderen sind als jene, die in der
Sprache selbst zur allgemeinen Anwendung gekommen sind, bedarf
keiner näheren Ausführung.
Jene sichere Grundlage aber gewähren einzig solche hypokoristische
Namen, welchen die entsprechenden vollen Formen, auf
historischem Wege gefunden, gegenübergestellt werden können.
Zu diesen Belegen zu gelangen, bedurfte es eines vieljäbrigeii
mühsamen Suchens in vielen und umfangreichen Geschichtsquellen, in
vielen Tausenden von Urkunden. Ich habe mich dieser Arbeit anspruchslos
mit aller Hingebung unterzogen und in hinreichender Zahl
Beispiele gefunden, welche den vollen und verkürzten Namen einer
und derselben Person nachweisen und endgiltige Folgerungen gestatten.
Und diesen reichen Stoff lege ich hier den Freunden
deutscher Wissenschaft vor, nach Kräften gesichtet und geordnet,
und wünsche sehnlichst, dass mein Streben, die germanische Namenforschung
in einem der wichtigsten, dunkelsten und daher auch
schwierigsten Theile selbständig zu fördern, von einer sachkundigen
ehrlichen Kritik nicht als verfehlt befunden werde.
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