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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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willkürliche  Verstümmelungen  und  abnorme  Eigenheiten  angesehen
werden.  Eine  selche  Auffassung  ist  aber  ganz  unstatthaft.  Sie  würde
der  Forschung  einen  der  Trägheit  und  Unfähigkeit  bequemen  Riegel
vorschieben  und  jede  Erklärung  dieser  auf  dem  Sprachgebiete  bedeutsamen ­
  Erscheinungen  fern  halten,  aber  auch  im  Widerspruche
stehen  mit  der  Organisation  des  menschlichen  Geistes,  der  hei  allem
Thun  stetsund  überall,  wenn  auch  nicht  jederzeit  dessen  sich  bewusst,
dem  leitenden  Zügel  der  ihm  innewohnenden  logischen  Gesetze  folgt,
und  sich  diesem  nicht  entzieht,  so  lange  er  in  seinen  normalen  Functionen ­
  ungestört  ist.
Ich  war  daher  bemüht,  das  Ergehniss  des  einfachen  Denkens:
dass  die  germanischen  Kosenamen,  weil  dem  Menschengeist  entsprossen, ­
  organische  Sprachgebilde  seien,  im  Detail  nachzuweisen,
und  die  Gesetze,  die  hei  der  Bildung  dieser  gar  mannigfach  gestalteten ­
  Namen  angewendet  erscheinen,  auf  sicherer  Grundlage  zu
erörtern.  Dass  diese  Gesetze  keine  anderen  sind  als  jene,  die  in  der
Sprache  selbst  zur  allgemeinen  Anwendung  gekommen  sind,  bedarf
keiner  näheren  Ausführung.
Jene  sichere  Grundlage  aber  gewähren  einzig  solche  hypokoristische
  Namen,  welchen  die  entsprechenden  vollen  Formen,  auf
historischem  Wege  gefunden,  gegenübergestellt  werden  können.
Zu  diesen  Belegen  zu  gelangen,  bedurfte  es  eines  vieljäbrigeii
mühsamen  Suchens  in  vielen  und  umfangreichen  Geschichtsquellen,  in
vielen  Tausenden  von  Urkunden.  Ich  habe  mich  dieser  Arbeit  anspruchslos ­
  mit  aller  Hingebung  unterzogen  und  in  hinreichender  Zahl
Beispiele  gefunden,  welche  den  vollen  und  verkürzten  Namen  einer
und  derselben  Person  nachweisen  und  endgiltige  Folgerungen  gestatten. ­
  Und  diesen  reichen  Stoff  lege  ich  hier  den  Freunden
deutscher  Wissenschaft  vor,  nach  Kräften  gesichtet  und  geordnet,
und  wünsche  sehnlichst,  dass  mein  Streben,  die  germanische  Namenforschung ­
  in  einem  der  wichtigsten,  dunkelsten  und  daher  auch
schwierigsten  Theile  selbständig  zu  fördern,  von  einer  sachkundigen
ehrlichen  Kritik  nicht  als  verfehlt  befunden  werde.

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