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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung 1  uml  Kritik  auf  dem  Gebiete  des  deutschen  Alterthums  II.  2  1
Mit  S.  97  beginnen  allerlei  Gebete,  Confessiones,  darunter
S.  120  eine  „CONFESSIO  PURA  OMNIUM  PECCA“,  zwei  Litaneien,
Benedietiones,  Einweihungs-  und  Beschwörungsformeln,  die  zum
Theil  auch  in  der  eben  genannten  Wiener  und  der  vorerwähnten
Essener  Handschrift  enthalten  sind.  S.  182—186  stellt  von  einer
im  Codex  sonst  nicht  wiederkehrenden  Hand  geschrieben  die  deutsche
Beieht-  und  Gebetformel,  von  der  hernach  ausführlich  die  Rede
sein  wird.
In  den  beiden  Litaneien  sind  einige  Angaben  enthalten,  mit
deren  Hilfe  es  vielleicht  gelingt,  Heimat  und  Alter  der  Handschrift
näher  zu  bestimmen.  Unter  den  Heiligen,  deren  Fürbitte  angerufen
wird,  werden  nämlich  genannt,  und  zwar  in  der  ersten  von
S.  151—157  reichenden  S.  153:  „Sancte  Emmeramme;  Sancte
Hrodperte  cum  fociis;  Sancte  Corbiniane“;  in  der  zweiten  (die  von
S.  157—165  geht)  S.  159:  „Sancte  Emmeramme;  Sancte  Floriane;
Sancte  Valentine;  Sancte  Ruodberte  cum  fociis;  Sancte  Maximiliane;
Sancte  Corbiniane“.  Sämmtliehe  liier  aufgezählte  Heilige  gehören  (dem
alten  karolingischen)  Baiern  an  und  sind  dort  vorzugsweise  verehrt
worden.  S.  Maximilianus  war  Bischof  von  Lorch  (f  c\  308),
S.  Florianus  erlitt  ebenda  304  den  Martertod,  S.  Yalentinus,  Bischof
von  Passau,  f  c a .  440,  S.  Emmerammus  652,  S.  Rupertus,  Bischof
von  Salzburg;,  -j-  zwischen  705  —  710,  S.  Corbinianus,  Bischof  von
Freisingen,  f  e“  730.  Beide  Litaneien  stellen  den  hl.  Emmeram  allen
andern  voran;  dies  ist  gewiss  nichts  Zufälliges,  Gelmehr  wird  kaum
irren,  wer  annimmt,  dass  die  Handschrift  in  Baiern  und  zwar
dort  geschrieben  ward,  wo  die  leiblichen  Überreste  dieses  Heiligen
ruhen,  wo  er  die  grösste  Verehrung  genoss  und  sein  Andenken  in
dem  nach  ihm  benannten  berühmten  Stifte  Jahrhunderte  lang  fortlebte ­
  :  in  Regensburg.
Erhöhte  Wahrscheinlichkeit  findet  diese  Annahme  in  dem  Umstande, ­
  dass  sich  eine  zweite,  jüngere  und  minder  vollständige,  Aufzeichnung ­
  unserer  deutschen  Beiclitformel  in  einer  Handschrift  eben
jenes  Klosters  zum  heil.  Emmeram  in  Regensburg  erhalten  hat.
Zur  Bestimmung  des  ungefähren  Alters  der  Handschrift  dient
die  Erwähnung  eines  „rex  Ludouuicus“,  der  in  beiden  Litaneien  zu
wiederholten  Malen  in  das  Gebet  der  Gläubigen  eingeschlossen  wird.
I.  Litanei  S.  155:
„Vt  fanitate  nobif  donare  dig  (=  digneris).
            
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