Forschung- und Kritik auf (lein Gebiete des deutschen Alterthums. II. iS
Prosa erblicken. Aber deshalb statt eines Spruches deren zwei anzunehmen
und das Denkmal demgemäss zu zerlegen, sehe ich ebenfalls
keinen zureichenden Grund, sondern betrachte beide Theile, den
prosaischen und den rhythmischen, als zusammen gehörig. In dem
ersten wird das Schwärmen der Bienen constatiert und sie werden
aufgefordert, sich unter dem Schirme des Königsfriedens in den
Schutz Gottes (der Kirche oder des Klosters) zu begeben; im zweiten
beginnt dann erst der eigentliche Segen oder die Besprechung. Dies
ist ja auch sonst die gewöhnliche Form der Segen, wofern sie nicht
in ein Gebet eingekleidet sind.
Ich theile somit den Spruch folgendermassen ab:
Kirst! imbi ist liucze! nu fliuc du, uihu minaz, hera, fridu
frono in munt godes gisunt heim zi comonne!
sizi, sfzi, bi'nä',
inbö't dir säncta Märjä'!
hürolo'b ni habe du,
zi hölce ni flü'c du,
nöh du mir n’indrlnne's,
nöh du mir n’intuulnne'st!
sfzi ullu stlllö,
uulrki gödes uulllön!
Das heisst:
Kirst! der Schwarm ist draussen! nun flieg du, mein Thier,
hierher, um unter dem Frieden des Herrn in den Schutz Gottes
unverletzt heim zu kommen!
Setz dich, setz dich, Biene,
(so) gebot dir sanct Marie!
Urlaub hab' du nicht,
zum Walde flieg nicht,
dass du mir nicht entrinnest
noch (dich) mir entwindest!
setze dich sehr stille,
vollbringe Gottes Willen!
oder in lateinischer, mir von lieber Freundeshand zugekommener
Nachbildung:
Kirst! examen foras est! jam huc advoles, bestiola mea, pace
domini in praesidium dei sospes uti redeas!