Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

14

Pfeiffer

Ain  mensch  von  achzehn  jaren  lduog
das  hat  mir  all  mein  freud  geswaigt,
dem  kund  ich  nie  entwinnen  gnuog,
seit  mir  ain  aug  sein  wandel  zaigt;
an  underlass  hab  ich  kain  ruo,
mich  zwingt  ir  mündlein  spat  und  fruo,
das  sich  als  lieplich  auf  und  zuo
mit  Worten  siiess  kan  lenken.
Der  Herausgeber  erklärt  S.  317  entwinnen  durch:  abgewinnen
im  Liebesgenuss.  Allein  dies  ist  gewiss  unrichtig  und  mit  Recht  hat
das  mhd.  Wörterbuch  3,  709 a  ein  Fragezeichen  dazu  gesetzt.  Vielmehr ­
  kann  der  Sinn  nur  sein:  sieh  durch  Arbeit  losmachen,  und  diese
Bedeutung  hat  intuuinnan  ohne  Zweifel  auch  an  unserer  Stelle.  Im
Ahd.  bedeutet  das  einfache  uuinnan  laborare,  dann  certare,  pugnare,
dimicare  (s.  Graff  1,  873)  und  ganz  eben  so  das  ags.  vinnan  (Grein  4,
713).  Die  Partikel  int  (ent)  aber  drückt  ein  gelindes  „gegen,  wider“
aus,  ferner  „ab,  davon,  los,  weg“  (s.  Grimm,  D.  Wörterbuch  3,  488.
489).  Demnach  heisst  intuuinnan  c.  dat.:  sich  losarbeiten  von  einem.
Das  Weitere  bis  zu  Ende  (=  Z.  3)  ist  durchwegs  deutlich  und
gibt  zu  keinen  Bemerkungen  Anlass.
Was  die  äussere  Form  unseres  Spruches  anlangt,  so  kann
niemand  entgehen,  dass  er  von  der  dritten  bis  zur  fünften  Zeile  aus
vier  richtig  gemessenen,  d.  i.  viermal  gehobenen  Reimpaaren  besteht,
während  die  beiden  ersten  Zeilen  nicht  nur  des  Reimes,  sondern  zum
Theil  auch  des  Rhythmus  entbehren.  Keine  Frage  ist,  dass  auch
Kirst!  imbj  ist  hü'cze  !
nu  fli'uc  du,  uihu  mi'näz,
hera  fri'du  frö’nö
ganz  gut  mit  je  vier  Hebungen,  als  Verse  also,  können  gelesen
werden;  aber  eben  so  gewiss  ist,  dass  im  darauf  folgenden:  in  munt
godes  gisunt  heim  zi  comonne  aller  und  jeder  rhythmische  Tonfall
fehlt.  Zwar  könnte  dieser  durch  Umstellung  und  Emendation  leicht
hergestellt,  ja  sogar  zwei  Reime  munt:  gisunt  zuwege  gebracht
werden.  Doch  bleiben  solche  billige  Kunststücke  lieber  denen  überlassen, ­
  welche  Freude  daran  haben.  Ich  für  meinen  Theil  kann  in
den  beiden  ersten  Zeilen,  trotz  des  scheinbaren  Rhythmus,  des  theilweisen
  Wechsels  von  Hebung  und  Senkung,  der  in  der  althd.  ungebundenen ­
  Rede  häufig  genug  erscheint,  keine  Verse,  sondern  nur
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.