162
V a h 1 e n
ai'psaig und tpu^vj mit den entsprechenden Formen die Gegensätze sind, so ist
damit nicht etwa bloss eine durch Beobachtung zu gewinnende Thatsache des
Sprachgebrauchs festgestellt, sondern sie hat ihren ausreichenden Grund in
der begrifflichen Feststellung der zpoaipzcnc, wie sie die Nikomachische
Ethik III Kipp. 4 — 3 in wiinschenswerthester Vollständigkeit gibt. Die irpoccipeeig
schliesst nach dem Wortlaut (Nie. Eth. 111 4, 1112 a 16 v-oarip.cdvn-j
S’k’oixe xai Toövopa ws ov zpd izipwv aepsrov) den Begriff der Wahl in sich:
diese aber beruht auf der Erwägung, ßovXzvijic, die selbst noch nicht zpoaipsmg
ist, dieser aber zur nothwendigen Voraussetzung dient, und in ihr den
Abschluss findet (Nicom. Eth. III 3, 1113 a 4 rö -/dp ix rf,g /3o'jA-i7S- zpaxpiSh
zpoaipezov soriv). Darin aber stimmen beide überein, dass sie dasselbe Object
haben, nämlich za ot’ vjptcöv zpctzza (ßovXsvöpsSa zspl rüiv sp’ >5p.iv zpaxreov
Nicom. Eth. III 3, 1112 a 31; b 32, und III 4, 1111 b 23; vgl. Rhetor. I 2,
1337 a 6 u. 23), und darum gehen beide, auch hierin von der ßovX-ijaig unterschieden,
nicht so sehr auf das Endziel als auf die Mittel und Wege, die zu
demselben führen (vj ßovXr,cng zov ziXavc fori päXXov, v? Sk zpoaipeaig tS>v
zaög rö zzXog, ofov u-patvetv ßovX6p.zSa, zpoaipovpzäa Sk dt’ tbv u'/tavo0ptcv
Nicom. Eth. 111 4, 1111 b 28. Und ebenso ßovXsvcptSa ov z=pi zwv tsXüv, dXXä
zsoi zö>v zpog zd ziXr] • ovzz -/dp luzpog ßovXsvezai, ü vyixozi . . . äXXä ^iftevot
ziXog zi, zwg xai dta rtvwv sirat, zxozoütn. Nicom. Eth. III 3, 1112 h 12, 34).
Hält inan diese in der Nicom. Ethik im Zusammenhang dargelegte und noch
durch manche Einzelstelle zu belegende Begriffsentwickelung fest, so leuchtet
ein, dass die Erwägung und ßerathung (ßovXzvGig') sowohl die Mittel, welche
zu dem gesetzten Ziele führen, als die ihm entgegenwirkenden umfasst (ganz
so wie das auf dem ßovXzvzaSai beruhende svpßovXzvziv das avp.oipov und
ßXaßepiv, das zpozpizsiv und xzozpkzziv einschliesst), und dass ebenso der aus
der ßovXzvaig hervorgehende Entschluss und Vorsatz (zpoaCpzaic) das Eine zu
ergreifen und zu verfolgen (xipziGSut. und diwxsiv) und das Andere zu meiden
und zu fliehen (orj-yetv) gebietet. Und diese im Begriff der zpoaipzaig liegende
Doppelseitigkeit sprechen denn auch einige Stellen deutlich aus, wie Nicom.
Eth. III 4, 1112 a 2 sqq. zw */xp zpoaipziajai zis/xSx vj za xaxd zoioi zivig
sapzv, zw Sk öo£ä£siv ov • xai zpoaipovpzSx piv XaßzZv r, ov’jztv . . Sotga.top.zv
Sk -1 iazv) Y) rtvt avpaipu yj zo>g- Xaßelv Sk : <g ovjzlv ov zdvv Sogz^ou.vj. Und
VII 6, 1148 a 6 6 (AVJ ™ zpoaipzlaäai rtöv zz riSzt.ov Siwxotv zag vzspßoXxg
xai zwv XvzxipSrj osüqoiv. ibid. a 17 sqq. Und an der schon angeführten Stelle
der Rhetorik II 21 wird was gesondert als alpzzd ^ ozvxzd bezeichnet war,
durch zpoxipEzx zusammengefasst. Es ist also der Sache vollkommen entspre'
cliend, wenn aipzuig und <pv r /rj und die entsprechenden in dem thatsächlichen
Gebrauch als Gegensätze erscheinen, die in der zpoaipscig ihre Einheit habeiq
und es kann dagegen von keinem Gewichte sein, dass gelegentlich zpoxipzaig,
zpoaipzza mit der einen Seite des Gegensatzes xipzGig und aipzza identisch
gesetzt ist. Oft aber tritt jener Gegensatz überhaupt zurück und bezeichnet
zpeaipzGig den sittlichen Entschluss im Unterschied von zääog oder Stavoj«
und üo£a, um von anderen den ethischen Begriff des Wortes nicht berührenden
Anwendungen ganz abzusehen.