10
Pfeiffer
nächst wieder der Eigenthiimer des Bodens, auf dem sie sich schliesslich
niedergelassen oder angesiedelt hatten, bemächtigen durfte,
gleich wilden Thieren, denen die Bienen beigezählt wurden; iventi
binen wilde wurme sint >).
Z. 3. sizi] schwache Imperativform des st. Verbums sizan,
sitzen, sedere. Vgl. sitzi azs zesuun halp miin, sede a dextris meis:
Isidor V“, 20. Graflf 6, 286. Grammatik l 2 , 868.
bina] über die verschiedenen Formen und Geschlechter des
Wortes ‘Biene’ im Ahd., Mlul. und den lebenden Mundarten bat
J. Grimm in der Grammatik 3, 365. 366. und im D. Wörterbuch 1,
1367. 1816. ausführlich gehandelt. Wenn er aber, Geschichte der
D. Sprache S. 1033 (2. Ausg. 717), fragweise die Vermuthung ausspricht,
dass ahd. pid baierisch, pini schwäbisch seien, so dürfte sich
dies bei genauerer Betrachtung kaum bestätigen. Die Form pid ist im
Alul. bis jetzt nur ein einziges Mal nachgewiesen (GratT 3, 13) und
zwar aus keiner baierischen Quelle, sondern in den Wolfenbüttler
Glossen von Thier- und Pflanzennamen aus dem 11. Jahrhundert,
welche Graff 1, LXXXIII als „fast niederdeutsch“ bezeichnet. Dazu
stimmt, dass in sämmtlichen Sprachen des Nordens das Wort stets
ohne das Ableitungs- n erscheint: ags. beo, altn. by, engl, bee,
schwed. dän. bi, nnl. by, bye. Öfter belegt ist pian, ein st. Masc.,
in der St. Galler Hs. 242. n. s. pian, apis (Ilagen’s Denkm. 2, 34),
n. pl. pianä, apes (Ilattemer 1, 279“) und den Reichenauer Glossen
Rd. und Jun. B: g. pl. impi piano, examen apum (Germ. 11, 42 b ,
Nyerup, Symb. 204, unten); am häufigsten das st. Neutrum pini,
bini, meist in alamannischen Quellen, Kero, Reichenauer und St. Galler
Glossen und Notker, doch auch in fränkischen oder mitteldeutschen,
z. B. dem Summarium Heinrici der Trierer Hs. (vgl. Graff 3, 13.
Germ. 9, 20). In Zusammensetzungen gewähren diese Form aber
auch baierisch-österreichische Handschriften: pinibluomo, thymus,
Gl. Prud. Cod. Emmeram. E. 18 und Sal. 4. Cod. Prag. (s. Graff 3,
242); pinichar, alvearium, im Summarium Heinrici, den Glossen der
Herrad, aber auch in Tegernseer Glossen (s. Graff 4, 463); binikrut,
thymus, Cod. Vind. Med. 6 (nun Nr. lO.Diut. 3, 338); pini-, binisügä,
i ) S. Grimm, Rechtsalterthümer S. 596 ff. und August Menzel, Bienenwirthschaft und
Bienenrecht des Mittelalters. Nördlingen 1865. S. 28 f. 35. 40., eine schützbare
kleine Monographie, auf die ich statt alles Weitern hier verweise.