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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.  181
Erörterungen  den  Mythos  als  ersten  Theil  der  Tragödie  angingen,
dieselben  dem  14.  und  16.  Kapitel  unmittelbar  anscbloss,  und  dagegen ­
  die  im  fünfzehnten  enthaltene  Theorie  des  Ethos  erst  dem
achtzehnten  folgen  liess.  Wer  die  beiden  ersten  im  siebzehnten
Kapitel  enthaltenen  Vorschriften  über  das  vom  Dramatiker  bei  der
Ausarbeitung  zu  beobachtende  Verfahren  recht  erwogen  hat,  wird
mit  uns  der  schon  früher  (S.  130)  angedeuteten  Ansicht  sein,  dass
diese  die  Theorie  des  Ethos  nicht  minder  als  die  des  Mythos  voraussetzen. ­
  Ja  leichter  könnte  Jemand  aus  den  Eingangsworten  des
17.  Kap.  Toüg  ixOSovg  auviardvai  xai  rrj  liEu  xKepyd&ad-ou,  von
denen  man  die  letzteren  als  einen  wichtigen  Markstein  richtiger
Beurtheilung  nicht  hätte  wegrücken  sollen,  die  Annahme  schöpfen
und  empfehlen,  dass  diese  beiden  Abschnitte  nicht  bloss  hinter  dem
y.ü3-og  und  dem  rjScg  richtig  folgen,  sondern  noch  weiter  hinab  auch
hinter  die  beiden  noch  übrigen  Theile  der  Tragödie  Sidvoia  und
Äscig  an  das  Ende  der  tragischen  Theorie  zu  rücken  seien.  Aber  diese
Annahme  wäre  auf  jene  Erwähnung  der  Xeftj  allein  schwach  aufgebaut; ­
  sie  lässt  sich  aus  Inhalt  und  Charakter  der  beiden  fraglichen
Abschnitte  kräftiger  unterstützen,  um  sie  dann  nach  gewonnener  Einsicht ­
  in  den  ganzen  Plan  um  so  entschiedener  zu  bekämpfen.
Die  beiden  Kapitel  17  und  18  bilden  ein  in  sich  geschlossenes
Ganzes  und  sollten  bei  einer  vernünftigen  Kapiteleintheilung,  an  der
es  in  der  Poetik  überall  fehlt,  nur  eines  ausmachen.  Aristoteles
ertheilt,  wie  die  Einzelausführung  gezeigt  haben  wird,  in  diesem
Abschnitt  dem  tragischen  Dichter  eine  Reihe  von  Vorschriften  und
Rathschlägen,  die  derselbe  bei  der  Ausführung  einer  Tragödie  zu
beobachten  hat,  theils  positiv  gebietend,  tlieils  negativ  die  Fehler
und  Verkehrtheiten  aufweisend,  in  welche  die  Dichter  aus  verschiedenen ­
  Anlässen  leicht  gerathen  und  thatsächlich  oft  gerathen
sind.  Diese  unter  sich,  soweit  dies  bei  dieser  Absicht  erforderlich
ist,  wohl  verknüpften  Vorschriften  setzen  alle,  einige  noch  entschiedener ­
  als  andere,  die  Ausführung  einer  ganzen  Tragödie  voraus,
zu  der  alle  Theile  der  Tragödie  mitwirken,  und  wollen  schlechterdings ­
  nicht  theoretische  Lehren  über  irgend  einen  besonderen  Theil
der  Tragödie  geben.  Nur  der  Umstand,  dass  der  Mythos,  ausgeführt,
den  Körper  der  Tragödie  vergegenwärtigt,  konnte  den  Schein  erwecken, ­
  als  ob  wir  es  hier  nur  mit  einer  Fortsetzung  der  Theorie
vom  Mythos  zu  thun  hätten.
            
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