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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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dass  sie  nach  Form  und  Gedanken  als  echt  aristotelisches  Gut  zu
betrachten,  ward  früher  bemerkt  und  begründet  (Beitr.  I  S.  30).  Von
den  einfachen  Mythen  und  Handlungen  sind  die  episodischen  (at  Iksiaodiüjrjug
  mit  blosser  Beziehung  auf  npätgug,  wie  auch  nachher  bald
p.vSog,  bald  xpälgig  als  Regens  angesehen  ist:  vgl.  Topik  103b  4  sqq.)
die  schlechtesten.  Episodisch  nenne  ich  aber  die  Composition,  in
welcher  die  Episodien  weder  nach  Wahrscheinlichkeit  noch  nach
Nothwendigkeit  auf  einander  folgen.  In  diesen  Fehler  fallen  schlechte
Dichter,  weil  sie  es  eben  besser  nicht  können:  aber  auch  gute  begehen
ihn  leicht  und  diese  aus  dem  Bestreben,  die  Kampfrichter  (denn  an
diese  zu  denken  legt  dytovioixaTci.  nahe),  also  im  Grunde  das  Publicum ­
  zu  gewinnen  und  zu  bestechen.  Wenn  nun  der  einfache  Mythos
in  seinem  eigenen  Inhalt  nicht  hinreichendes  Interesse  bietet,  so
suchen  sie  diesen  Mangel  (der  ein  Mangel  der  Wahl  oder  der  Erfindung ­
  ist)  dadurch  zu  ersetzen,  dass  sie  den  Mythos  über  sein  Vermögen ­
  hinaus  (denn  7rapä  oüvapiv  geht  nicht  die  dvva.[ug  des
Dichters,  sondern  die  öOvaptf  des  Mythos  an  und  xai  heisst  'selbst’)
dehnen,  Episodien  einflechten,  die  für  sich  selbst  anziehen  sollen,
aber  weil  sie  nicht  so  sehr  aus  dein  Mythos  herausgearbeitet,  als  in
ihn  frei  hineingetragen  sind,  den  Fortschritt  der  Handlung  nicht  fördern, ­
  sondern  die  natürliche  Aufeinanderfolge  verderben.  Der  Fehler
verstösst  gegen  die  im  17.  Kap.  aufgestellte  Vorschrift,  dass  die  Episodien ­
  den  Personen  und  Verhältnissen  der  Haupthandlung  abgewonnen ­
  und  ihnen  angepasst  sein  sollen,  und  ist  dem  anderen  im  18.  Kap.
gerügten  Fehler  der  epischen  Vielstoffigkeit,  mit  dem  er  auch  das
Motiv  tlieilt,  verwandt:  gleichwohl  besteht  zwischen  beiden  auch  ein
merklicher  Unterschied:  der  letztere  entstand  daraus,  dass  der  Tragiker ­
  auf  ein  Hauptmoment  des  Sagenstoffes  sich  nicht  beschränkend
die  ganze  Fülle  episodischer  Einzelhandlungen,  wie  sie  dem  Epos
gerecht  ist,  in  den  engen  Rahmen  des  Drama  zusammendrängte  und
dadurch  die  anschauliche  Betrachtung  der  Einzelglieder  und  ihres
Verhältnisses  zum  Ganzen  verkümmerte.  Der  hiesige  Fehler  dagegen
entspringt  dem  unkünstlerischen  Bemühen,  einem  inhaltarmen  Stoffe
dadurch  zu  Reiz  und  Interesse  zu  verhelfen,  dass  man  von  der  Handlung ­
  selbst  nicht  dargebotene  oder  geforderte  Episodien  einllechtend
diese  selbst  in  ihrem  einfach  natürlichen  Zusammenhang  stört.
Hatte  nun  Aristoteles  im  achtzehnten  Kapitel  eben  erst  eine  dem
Theaterpublicum  zwar  genehme,  aber  der  Strenge  dertragischen  Theo-
            
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