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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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ganz  untergeordneter  Gesichtspunct,  und  Aristoteles  ist  weit  entfernt
der  von  ihm  nirgends  berührten  Trilogie  das  Wort  zu  reden.  Für
ihn  kommt  allein  in  Betracht,  dass  Aeschylos  in  einem  Drama  nur  ein
Hauptmoment,  nicht  den  ganzen  Mythos  dargestellt  hatte.  Und
so  änderte  es  denn  an  dieser  Auffassung  der  ganzen  Stelle  nicht  das
Mindeste,  wenn  (wie  u.  A.  Stark,  Niobe  S.  36  meint)  die  angenommene
Niobetrilogie  des  Aeschylos  in  nichts  zerstieben  und  ihm  nur  ein
Drama  Niobe  erübrigen  sollte.  Wem  endlich  der  Niobemythos  ein
so  reicher  Stoff  nicht  scheinen  will,  dass  er  nicht  ohne  Fehler  vollständig ­
  in  einem  Drama  sich  hätte  entfalten  können,  der  erwäge
wenigstens,  dass  zur  Niobe  auch  Tantalos  gehörte,  und  dieser  Titel,
der  vom  Tegeaten  Aristarchos  angeführt  wird,  mit  in  Betracht  zu
nehmen  ist.  Übrigens  erhellt,  dass  eine  Iliupersis,  für  die  mehrere
Dichter  angeführt  werden,  so  wenig  vom  Euripides  als  vom  Aeschylos
durch  diese  Stelle  wenigstens  verbürgt  wird,  und  endlich  auch  vom
Agathon  nicht,  da  die  Worte  iv  rourw  p.6vw  von  dem  gerügten  Fehler,
nicht  von  einem  Drama  gelten.
Das  Folgende,  das  in  der  Sache  einen  selbständigen  Gedanken
und  eine  Weisung  für  eine  andere  Seite  der  tragischen  Composition
enthält,  hat  sich  in  der  Form  als  Gegensatz  an  das  Vorangegangene
angeschlossen.  Haben  die  jüngeren  Tragiker  insbesondere  darin  den
gehofften  Erfolg  verfehlt,  dass  sie  die  Tragödie  zu  einer  mit  epischer
Vielstoffigkeit  ausgerüsteten  Composition  machen,  so  treffen  sie  dagegen ­
  in  der  Behandlung  des  dramatischen  Situationswechsels  den
Geschmack  des  Publicums  vortrefflich  und  sichern  sich  dessen  Beifall.
Aristoteles  sagt  'in  den  Peripetien  und  den  einfachen  Handlungen’,  im
Ausdruck  nicht  ganz  genau,  aber  in  der  Sache  klar  und  deutlich:  er
meint  nämlich  den  durch  eine  Peripetie  vermittelten  Umschwung  in
dem  verflochtenen  Mythos  oder  der  verflochtenen  Tragödie,  und  den
ohne  diese  erfolgenden  Übergang  in  den  einfachen  Mythen.  Worauf
beruht  es  denn  nun,  dass  die  Tragiker  in  der  Behandlung  des  dramatischen ­
  Situationswechsels  in  beiden  Formen  dem  Geschmack  des
Publicums  so  sehr  entgegen  kommen?  Es  beruht  darauf,  dass  der  dargestellte ­
  Vorgang  tragisch  ist,  nicht  in  dem  Sinne,  dass  er  die  tragischen ­
  Affecte  Mitleid  und  Furcht  aufrüttelt  und  zum  Ausbruch  treibt,
sondern  nur  in  soweit  als  er  das  dem  Mitleid  verwandte  aber  nicht  bis
zum  Affect  gediehene  Gefühl  allgemein  menschlicher  Theilnahme  anregt, ­
  das  durch  fdxvSpun'jv  bezeichnet  wird:  rpayadv  yäp  toüto
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LII.  Bd.  I.  Hfl.  10
            
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