Forschung und Kritik auf dem Gebiete des deutschen Alterthums. II.
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Segensformeln erwähnt wird •), sondern die vereint hier auftretenden
Ausdrücke fridu fröno und munt gehören der Rechtssprache an, und
unter dem erstem ist die pax dominica oder publica, der Königsoder
allgemeine Landfrieden, d. i. der Rechtsschutz zu verstehen,
der vom Könige über den ganzen Staat ausgeht; munt godes dagegen
ist der Schutz, den die Kirche (das Gotteshaus oder Kloster), auf
Grund der ihr vom Kaiser verliehenen Immunität, ihren Angehörigen
oder Untergebenen gewährt. Die angelegentliche Ermahnung, herwärts
zu fliegen, um unter dem doppelten Schutze unbeschädigt heimzukommen,
hat ihren Grund darin, dass nach altem, wahrscheinlich
auch fränkischem, Recht der Resitzer eines auf fremdem Gebiet sich
niederlassenden Schwarmes entweder sein Eigenthumsrecht ganz
verlor oder dasselbe nur unter bestimmten Redingungen sich wahren
konnte. So gehörten nach dem sächsischen Weichbildrecht Art. 118.
119. die flüchtigen Schwärme, wenn sie den Grund und Roden des
Besitzers der Mutterstöcke verlassen hatten, diesem nur so lange, als
sie von ihm verfolgt und im Auge behalten wurden; andern Falls
wurden sie als herrenloses Gut betrachtet, dessen sich jeder, zu-*)
z. B. Hüde wil ich uf steil,
in den heilgen fride gen,
da unser frouwe inne ging,
dd si den heilgen Crist inphing.
(s. MS. Denkmäler S. 416).
Ferner in dem noch ungedruckten Stücke:
Ein segen.
Hut wil ich uf ston
an den almechtigen got wil ich mich Ion.
ich enphilhe im min sele,
ich enphilhe im min ere,
ich enpfilhe im alle min gelid
her in den heiligen frid,
der do geschworen ward
da got geborn ward;
herre, ich enphilhe mich in die kraft,
da got mensch in ward;
herre, ich enphilhe mich in die wort, die ein prister spricht,
so er unsern bereu in driu bricht;
her, ich enphilhe mich in den segen.
den du dinen Iiben frunden an dem jüngsten tag wilt geben.
(Handschrift der kgl. Staatsbibliothek zu München, Cod. germ. 1020, Bi. 4o b .)