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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Forschung  und  Kritik  auf  dem  Gebiete  des  deutschen  Alterthums.  II.

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Segensformeln  erwähnt  wird  •),  sondern  die  vereint  hier  auftretenden
Ausdrücke  fridu  fröno  und  munt  gehören  der  Rechtssprache  an,  und
unter  dem  erstem  ist  die  pax  dominica  oder  publica,  der  Königsoder ­
  allgemeine  Landfrieden,  d.  i.  der  Rechtsschutz  zu  verstehen,
der  vom  Könige  über  den  ganzen  Staat  ausgeht;  munt  godes  dagegen
ist  der  Schutz,  den  die  Kirche  (das  Gotteshaus  oder  Kloster),  auf
Grund  der  ihr  vom  Kaiser  verliehenen  Immunität,  ihren  Angehörigen
oder  Untergebenen  gewährt.  Die  angelegentliche  Ermahnung,  herwärts ­
  zu  fliegen,  um  unter  dem  doppelten  Schutze  unbeschädigt  heimzukommen, ­
  hat  ihren  Grund  darin,  dass  nach  altem,  wahrscheinlich
auch  fränkischem,  Recht  der  Resitzer  eines  auf  fremdem  Gebiet  sich
niederlassenden  Schwarmes  entweder  sein  Eigenthumsrecht  ganz
verlor  oder  dasselbe  nur  unter  bestimmten  Redingungen  sich  wahren
konnte.  So  gehörten  nach  dem  sächsischen  Weichbildrecht  Art.  118.
119.  die  flüchtigen  Schwärme,  wenn  sie  den  Grund  und  Roden  des
Besitzers  der  Mutterstöcke  verlassen  hatten,  diesem  nur  so  lange,  als
sie  von  ihm  verfolgt  und  im  Auge  behalten  wurden;  andern  Falls
wurden  sie  als  herrenloses  Gut  betrachtet,  dessen  sich  jeder,  zu-*)

  z.  B.  Hüde  wil  ich  uf  steil,
in  den  heilgen  fride  gen,
da  unser  frouwe  inne  ging,
dd  si  den  heilgen  Crist  inphing.
(s.  MS.  Denkmäler  S.  416).
Ferner  in  dem  noch  ungedruckten  Stücke:
Ein  segen.
Hut  wil  ich  uf  ston
an  den  almechtigen  got  wil  ich  mich  Ion.
ich  enphilhe  im  min  sele,
ich  enphilhe  im  min  ere,
ich  enpfilhe  im  alle  min  gelid
her  in  den  heiligen  frid,
der  do  geschworen  ward
da  got  geborn  ward;
herre,  ich  enphilhe  mich  in  die  kraft,
da  got  mensch  in  ward;
herre,  ich  enphilhe  mich  in  die  wort,  die  ein  prister  spricht,
so  er  unsern  bereu  in  driu  bricht;
her,  ich  enphilhe  mich  in  den  segen.
den  du  dinen  Iiben  frunden  an  dem  jüngsten  tag  wilt  geben.
(Handschrift  der  kgl.  Staatsbibliothek  zu  München,  Cod.  germ.  1020,  Bi.  4o b .)
            
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