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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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P  f  e  i  f  f  e  r

an  unserer  Stelle,  indem  hier  nicht  nur  die  Präposition  fehlt,  sondern
auch  das  Adj.  fröno,  dominicus,  das  bekanntlich  stets  unflectiert
gebraucht  wird,  keinen  Anhalt  gewährt.  Dennoch  glaube  ich,  dass
fridu  hier  dem  Sinne  nach  nur  der  Dativ  sein  kann,  und  zwar,  wenn
nicht  etwa  wegen  der  Zeilentrennung  die  Präposition  in  ausgefallen
ist,  ein  absoluter  Dativ,  also  fridu  fröno:  pace  dominica.  Vgl.  das
angelsächsische  Gedicht  vom  Phönix  396:  pce.r  lifgad  d  leöhte
verede  svä  se  fugel  Fenix  in  freodu  dryhtnes  vlitige  in  vuldre
(s.  Grein,  Bibliothek  der  ags.  Poesie  1,  231).
munt]  im  Ahd.  gibt  es  zwei  Feminina  munt;  das  eine,  in  der  Bedeutung ­
  von  palma,  cubitus,  manus,  ist  häufig  belegt  (vgl.  Graff  2,
813),  das  andere  in  der  Bedeutung  von  munimen,  protectio,  tutela,
Schutz,  kommt  in  den  ahd.  Quellen  nur  bei  Otfried  vor  (vgl.  Graff  2,
813).  Um  so  zahlreicher,  aber  latinisiert,  mundium,  in  Urkunden  und
Rechtsdenkmälern.  Vermuthlich  sind  sie  (vgl.  Grimm,  Rechtsalterthümer
  447),  da  beider  Begriffe  sich  berühren,  ursprünglich  identisch.
Dass  das  Wort  an  unserer  Stelle  in  letzterm  Sinne  und  zwar  im
Accusativ  steht  (der  Dativ  würde  munti  lauten),  ist  deutlich.  So  auch
im  ältern  Mild.,  w r o  es  indess  als  Masc.  erscheint:  wd  ich  iu  erwette
den  rehten  munt,  den  geteerten  munt,  den  gewaltigen  munt:
schwäb.  Verlöbniss  (Wackernagel's  Altd.  Lesebuch.  4.  Aufl.  187,
26).  durch  dine  minne  so  Idz  ich  dich  waren  hinnen  dne
dine  sunde:  nu  war  in  gotes  munde:  Leben  Jesu  der  Frau  Ava
(Diemer,  Deutsche  Gedichte  243,  2—4.  =  Hoffmanns  Fundgruben
1,  160,  34).
gisunt]  sanus,  incolumis,  tutus,  prosper  (vgl.  Graff  6,  239.)
heim]  adv.  Accusativ,  domum,  nach  Hause,  an  den  rechten  Ort.
zi  comonne]  =  zi  comenne.  Diese  Form  ist  insofern  bemerkenswerth,
  als  sie  eines  der  wenigen  Beispiele  ist,  wo  der  Vocal  der
Stammsilbe  auf  den  nächstfolgenden  Einfluss  übt  und  Assimilation
bewirkt,  vgl.  oponontic  —  obanentic  (dies  öfter,  s.  Graff  1,  80),
Podolunc  (s.  Weinhold,  Alem.  Gramm.  S.  12.)
Der  Sinn  von  nu  fliuc  du  bis  zi  comonne  ist  demnach:  nun  flieg
du,  mein  Thier,  hierher,  um  im  (unter  dem)  Frieden  des  Herrn  unverletzt ­
  nach  Hause  in  den  Schutz  Gottes  zu  kommen.  Indessen  bedarf ­
  es  zum  richtigen  Verständniss  dieser  Stelle  einer  näheren
Erklärung,  fridu  fröno  ist  nämlich  nicht  der  „heilige  Friede“,  der
bei  der  Geburt  Christi  der  Welt  verkündet  w r ard  und  manchmal  in  den
            
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