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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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1408  b  19)  Beruf  hat  der  Begeisterte  oder  der  Begeisterung  Fähige
(pavcxd?).  dem  in  diesem  Zusammenhang  um  eine  thatsächlicli  unbegründete ­
  Einschränkung  abzuwehren,  der  von  Natur  mit  Gaben
des  Geistes  ausgerüstete  (süfutg)  an  die  Seite  gesetzt  wird.  Jener
ist  der  Bildsame  i),  indem  seine  Seele  leicht  die  verschiedenen  Affecte
und  Stimmungen  annimmt,  und  einmal  von  ihnen  beherrscht,  dieselben ­
  naturwahr  in  die  darzustellenden  Personen  übertragen  wird:
dagegen  der  von  Natur  mit  feiner  Urtheilskraft  und  der  Gabe
scharfer  Beobachtung  Ausgestattete  prüfend  das  Wahre  und  Falsche,
das  Zweckmässige  und  Zweckwidrige  unterscheiden,  jenes  ergreifen,
dieses  vermeiden  wird.  Denn  darin  besteht  die  wahre,  dem  Angelernten ­
  und  Angeühten  entgegengesetzte  (Rhetor.  III  10,  1410  b  8;
Topik  III  2,  118  a  22)  svtpvitx,  dass  der  sie  besitzende  von  Natur
&anzp  öipiv  fl  xpivsl  xaAcöj  y.ai  t6  xar’  «Avi.S'stav  dyaSöv  aip^atrca
  (Nicom.  Ethik  III  7,  1114  b  7,  vgl.  Topik  163  b  14),  und
hierin  wie  in  der  Forderung  des  p.avuög  liegt  es  deutlich  ausgesprochen, ­
  dass  Dichterberuf  auf  natürlicher  Begabung  nach  beiden
Seiten,  dem  naSmtxöv  und  foavovjrtxöv  begründet  ist.
Um  also  in  der  Composition  der  Handlung  vor  Widersprechendem
sich  zu  hüten,  in  der  Darstellung  der  Personen  und  ihrer  Affecte
Naturwahrheit  zu  gewinnen,  soll  der  Dichter  bei  der  Ausführung
für  jenes  sich  gleichsam  zum  Zuschauer  seines  Drama,  für  dieses
gewissermassen  zum  Schauspieler  seiner  dramatischen  Personen
machen.  Aristoteles  stellt  nicht  die  Forderung  auf,  dass  die  nach
den  Gesetzen  der  Wahrscheinlichkeit  und  Nothwendigkeit  zu  ver-4

 )  Ist  BUTcXccGrog  activ?  Mir  fehlt  dafür  ein  Beleg,  und  ich  denke,  passiv  genommen,
entspricht  es  nicht  minder  gut  dem  Zusammenhänge:  so  nehme  ich  passiv  auch
k.  *ysv»  £cb.  III,  11,761  a  34  ro  re  »jccp  vf  pöv  eunXocaroripocv  $%ei  r^v  <pu<riv
rrjg  y9}g,  womit  zu  vgl.  Top.  130  b  35  vypou  idtov  ad)p.a  ro  sig  anccv
a'yop.evov.  Im  Übrigen  halte  ich  die  Z.  K.  A.  S.  S.  19  sq.  befolgte  Auffassung  der
ganzen  Stelle  aufrecht.  Für  die  dort  gerechtfertigte  Wortstellung  der  eng  zusammengehörigen ­
  Worte  cctt’  aOrvjg  r9jg  cpÜGBOig  o[  iv  roZg  kcc^sglv  (wofür  sonst
ot  iv  roZg  kccSbgiv  ovrec)  stehe  hier  noch  Polit.  I  13,  1260  a  25  xccSoXov  *jccp
oc  Xe'yovrsg  i^cc7zccrd)GLV  iocurovg,  Sri  ro  ev  £yew  ri]v  ipvyrrjv  ocperij.  Nicom.
Eth.  YIll  16,  1163  b  18  Big  duvccp.iv  ds  6  3epoc-evo)v  ixisixvjg  eivca  doxsZ,  obwohl ­
  6  in  L b  fehlt.  Daher  ist  auch  an  unserer  Stelle  das  wenige  Zeilen  früher
überlieferte  ivocpyitjrctrcc  6  opd)V  .  .  suplgxoc  rd  npixov  unantastbar,  sowie
Anal.  Post.  89  b  15  xocvra  7dtp  rcc  ccirioc  roc  p.eGcc  6  id&v  rcc  ccxpcc  tyv&piGBV.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LII.  Bd.  I.  Ilft.  9
            
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