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V a h I e n
dieses Drama, inwiefern dies ein Fehler war: allein dieser Fehler,
fügt Aristoteles hinzu, wäre einem nichtsehenden Publicum verborgen
geblieben <), auf der Bühne aber, wo alles den Blicken der Zuschauer
ausgesetzt ist, konnte das Ungehörige nicht unbemerkt bleiben und
Karkinos ward ausgezischt. Karkinos also hatte sich bei Ausführung
seines Drama dessen Darstellung auf der Bühne nicht klar genug
vergegenwärtigt: daraus entsprang sein Fehler. Und darum ist es des
Dichters Pflicht, bei der Ausarbeitung seines Drama alle einzelnen
Momente möglichst vor Augen zu stellen (ört /xccXtar« npo öp.p.«Twv
riSip-zvov): denn am besten wäre es, wenn der Dichter das in Ausführung
begriffene Drama vor seinen Augen auf der Bühne aufführen
Hesse: da aber das nicht sein kann, soll er es wenigstens vor seinem
geistigen Auge spielen lassen.
Die zweite Vorschrift, die der Dichter bei der sprachlichen
Ausführung des Mythos, oder setzen wir gleich, was gemeint ist, der
Tragödie, zu beobachten hat, geht dahin, dass er die handelnd einzuführenden
Personen zugleich bei der Ausarbeitung soweit dies
thunlich ist in Geberden und Beden schauspielerisch darstelle (rolg
ay/iy-aai avvccKspyatöp-evov'). Der Grund ist einleuchtend. Am naturwahrsten
und anschaulichsten wird z. B. den in Zornaufwallung
Begriffenen derjenige darstellen, welcher von Haus aus von demselben
Affect leicht erregbar ist: da aber dieses Zusammentreffen der
eigenen Natur des Dichters mit der an den Personen des Drama
auszuprägenden nicht immer gegeben ist, so ist jene schauspielerische
Ausführung darum ein so nützlicher Behelf, weil die äussere Darstellung
nach Innen wirkt und die Seele entsprechend stimmt.
Wenn nun der von Natur verliehene oder in dieser Weise nach
Möglichkeit hervorgerufene Affect den Dichter fördert, denselben
Affect in den dramatischen Personen naturtreu auszuprägen, so ergibt
sich, dass zur Dichtkunst, die selbst ein ZvSsov ist (Rhetor. III 7,
*) Zu Aav3avsv ist ein «v unentbehrlich. Denn der von Karkinos begangene Fehler
ist lediglich in den Worten 6 r /ap *A[Jiq»iapao£ ispoö avyei enthalten. Das
Folgende o opwvra rov 3eoctyjv sXav^avev bildet Gegensatz zu ini de
tyjs axvjvvjs, ganz so wie Kap. 24, 1460 a 14 ff., und gewährt erst in dieser Verbindung
die Thatsache, die Aristoteles gebraucht, dass das, was nicht mit Augen
gesehen, verborgen geblieben wäre, den Blicken ausgestellt, nicht unbemerkt
bleibe.