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Ausführung dieses Gesichtspunctes verweist Aristoteles auf andere
von ihm veröffentlichte Untersuchungen, bei denen man am natürlichsten
an solche über Fragen der Dichtkunst denken wird, und
dann bieten sich die Dialoge von den Dichtern als der geeignete
Platz dar, an welchem neben anderem auch solche die theatralische
Illusion im Verhältniss zur Dichtung und insbesondere der Charakteristik
erörternde Fragen behandelt waren.
Die Erörterung über die Charaktere ist hiermit erschöpft. Die
Darlegung ist kurz und knapp ausgefallen: und dennoch wird man
bei näherer Betrachtung gestehen müssen, dass kein wichtiger Gesichtspunct
übergangen worden. Allerdings hätte Aristoteles ausführen
können, wie die in der Tragödie verwendbaren Charaktere
der Menschen nach Geschlecht, Alter, äusserer Lebensstellung u. s.
w. verschieden sind und welche charakteristische Züge ihnen in
jeder dieser Rücksichten anhaften, wie er Rhetor. III 7, 1408 a 27
diese Unterschiede angibt und Rhetor. II c. 12—17 im Einzelnen
behandelt. Und anderseits hätte er darlegen können, mit welchen
Zügen man den einzelnen Charakter, abgesehen von der Person, der
er eigen ist, anschaulich zu machen habe, also z. B. wie der dp^ilog
und npäog, der ffwwpwv, dvopscog, Sappaliog u. s. w. zu zeichnen
sei. Allein eine solche mehr concrete Analysierung der Charaktere hat
Aristoteles augenscheinlich in der Poetik nicht beabsichtigt; nach
dem leisen Anlauf, den er zu derartiger Betrachtung bei dem ^prjaröv
r/Sog nimmt, steht er sofort wieder still und lässt die dort schon
ergriffene Gelegenheit zu breiterer Ausführung der Chrestoethie nach
dem Unterschied der Geschlechter wieder aus der Hand. So wie er
eine psychologische Analyse der beiden seiner ganzen Theorie zu
Grunde gelegten tragischen Affecte, Furcht und Mitleid, über welche
die Rhetorik tiefer in’s Einzelne dringende Aufschlüsse gibt, in der
Poetik verschmäht und sich mit karger Bezeichnung je eines wesentlichen
Merkmals begnügt, und sowie er das ganze reichhaltige Gebiet
der dem Tragiker nicht minder als dem Redner notlnvendigen öt«-vot«
ausdrücklich der Rhetorik vorbehält, so hat er stillschweigend
jene speziellere Zergliederung der Charaktere theils der Politik und
Ethik, theils der Rhetorik anheimgegeben, in der Poetik auf die dem
Dichter und Dramatiker zu befolgenden Gesichtspuncte sich beschränkend.
Sollte man nicht glauben, Aristoteles habe der schöpferischen
Kraft des Dichters, die er bald' nachher gerade für die