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Die Maler aber, die ihre Kunst recht verstehen, wissen die
dargestellten Personen, indem sie ihnen die ihnen eigentliümliche
Gestalt verleihen, ähnlich zu bilden und doch schöner zu malen.
So soll auch der Dichter, wenn er zornmüthige oder leichtmüthige
oder mit anderen ähnlichen Charakterzügen ausgestattete Personen
darzustellen hat, sie in dieser ihrer Eigenart (rotoörou? o'vra?) als
sittlich vortreffliche Menschen (inuixsig'), also, wenn es z. B. den
Zornmüthigen gilt, ihn als ein Ideal unbeugsamen Sinnes darstellen,
wie den Achill Homer und Agathon, jener in der Iliade, dieser, wie
Mehre vermuthet haben, im Telephos, wo eine solche Zeichnung desselben
der Ökonomie des Drama, soweit sie heute erkennbar ist,
entsprechend war.
Dies, denke ich, ist der Sinn der in den Handschriften unversehrt
erhaltenen, in den Ausgaben aber seit der princeps verunstalteten
Worte. In roiovrovg ovzag ixtsixeig nouXv liegt auf sittlichem
Gebiete derselbe Gegensatz wie bei der malerischen Darstellung
in öjxoiovg xoioövzeg xaX/.iovg ypäyovaiv: wie hier die Idealisierung des
Malers die Ähnlichkeit und Naturwahrheit nicht aufheben darf, so
soll in der Charakteristik des Dichters die spezifische Charaktereigenthümlichkeit
mit der sittlichen Tüchtigkeit überhaupt in ein
Idealbild verschmolzen sein. Die beispielsweise angeführten Charaktere
der Zornmüthigkeit (6pyiA6rr,g) und Gelassenheit (paSvpua)
sind an sich nicht von der Art, dass sie den Menschen zu einem
Unsittlichen und Verwerflichen machen, allein ei begreift sich leicht,
dass es auf die Zeichnung und Darstellung arik mmt, ob sie sich
mehr der Gxovdcuorng oder mehr der <pcrjl6zr,g zuneigen, wie diese
in der Hand des Darstellenden liegende Wendu :g nach beiden
Seiten Aristoteles in der Rhetorik 1 ) in anderem Be dacht und auf
anderem Gebiete angedeutet hat. Da nun die Tragödie ausgesprochenermassen
sittlich tüchtige Menschen (axovöaioug und inieuitg)
di aOrot? spov[J.cV, worüber Bernays S. 78, nichts von dem der Stelle nachgerühmten
'milden Hauch 5 verspüren kann, so wenig als Anal, post* I 3, 72 b 18,
wo nach Darlegung verschiedener Ansichten mit vj/xst? di (patxev xrX. fortgefahren
wird.
*) I 9, 1367 a 33 Xvj7rrc'ov di xai ra GV'je-j^vg rot? vKa.p’fcovGt.v w? ravra ovra
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