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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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je  nachdem  dieselbe  unerwartet  herbeigeführt  wird,  oder  der  sich
zu  erkennen  Gebende  jene  Zeichen  behufs  seiner  Identifieierung
geltend  macht.  Alle  Arten  der  Erkennung,  in  denen  das  letztere  der
Fall  ist,  gleichgültig,  ob  es  Wahrzeichen  sind  oder  anderes,  das  man
der  Bewährung  halber  anführt,  sind,  weil  mit  dem  Gange  der  Handlung ­
  unverflochten,  unkünstlerisch.  Dies  trifft  bei  der  zweiten  Art
zu,  die  auf  Beweisgründen  beruht,  die  der  Dichter  aus  freier
Erfindung,  nicht  nach  der  Nothwendigkeit  der  Situation,  der  sich
bekannt  gebenden  Person  in  den  Mund  legt:  denn  zwischen  diesen
Versicherungen  und  jenen  mit  Augen  zu  sehenden  Wahrzeichen  ist
kein  wesentlicher  Unterschied.  Eine  dritte  Art  beruht  darauf,  dass
ein  Unerkannter  beim  Anblick  eines  Bildes  oder  beim  Anhören  eines
Gesanges  in  Folge  der  dadurch  angeregten  Erinnerung  seinem
Gefühle  Ausdruck  gibt,  das  wegen  der  Beziehung  des  Bildes,  des
Gesanges  zu  einer  bestimmten  Person  jenen  verräth.  Diese  Erkennung ­
  ist,  weil  unwillkürlich,  besser  und  ist  augenscheinlich  verwandter ­
  Natur  mit  der  folgenden  vierten  Art,  die  auf  einer  Schlussfolgerung ­
  beruht,  wobei  man  natürlich  nicht  an  die  Figuren  des
logischen  Schlusses  zu  denken  braucht.  Die  Beispiele  sind  nicht
ganz  von  gleicher  Art,  und  das  aus  den  Choephoren  genommene
keine  einfache  Erkennung  aus  dem  Schluss.  Dagegen  stellt  die
unwillkürliche  Äusserung  des  Orestes,  durch  welche  Polyeidos  seine
Erkennung  herbeigeführt  hatte,  diese  Art  in  Parallele  zu  der  durch
den  Empfindungsausdruck  vermittelten.  Denn  eine  unwillkürlich
durch  die  Umstände  ausgepresste  Thräne,  oder  eine  gleichfalls
unwillkürlich  durch  die  Umstände  angestellte  Selbstbetrachtung  kann
für  die  Erkennung  selbst  keinen  erheblichen  Unterschied  machen.
An  die  Erkennung  aus  dem  Schluss  reiht  sich  noch  als  Unterart
die  aus  Schluss  und  Fehlschluss  zusammengesetzte  Erkennung  an.
Besser  aber  als  alle  bisher  genannten  Arten  ist  die  Erkennung,  welche
unmittelbar'  aus  dem  Gang  der  Handlung  und  Situation  als  unerwartetes ­
  und  doch  wohlbegründetes  Resultat  hervorgeht.  Es  ist  die
(früher  besprochene)  mit  Peripetie  verbundene  Erkennung,  die  aus
Umständen  entspringt,  die  selbst  in  der  Anlage  der  Situation  nothwendig
  gegeben  waren,  aber  jenes  Ergebniss  nicht  erwarten  Hessen,
Hierzu  bedarf  es  also  der  vom  Dichter  erfundenen  Bewährungsmittel
und  Wahrzeichen  nicht,  sondern  die  einmal  in  Gang  gesetzte
Selbstbewegung  des  Mythos  kommt  ohne  weiteres  Eingreifen  zum
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