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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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denen  Weisen  dar,  unter  denen  es  eintreten  kann  und  am  wirksamsten
eintreten  wird,  unbekümmert  darum,  in  welcher  der  früher  beschriebenen ­
  Composilionsformen  es  eingefügt  werden  soll.  So  angesehen
aber,  wird  zu  untersuchen  sein,  ob  nicht  die  von  ihm  als  die  beste
bezeichnete  Form  des  xdSog  in  der  That  die  wirksamste  ist.  Es
steht  uns  fest,  dass  nach  Aristoteles  Meinung,  nicht  bloss  das  7rä.3-os
yeyovdg  sondern  nicht  minder  das  p.£llov  rrdSog  (wofern  ihm,  wie
in  dem  vorausgesetzten  Fall,  das  puapöv  nicht  anklebt)  fupcht-  und
mitleiderregende  Wirkung  tliut.  Denn,  wie  es  in  der  Physik  197  a  27
heisst,  aat  xd  napd  p.iy.pöv  y.axov  r;  dyocBdv  jxiycx.  XaßsTv  Jj  dvaxvysiv
rj  söruystv  iaxiv,  ö'rt  co?  dndpycv  l£ysL  vj  Sidvoia'  xd  ydp  ixxpä  puxpdv
  ooiTTrsp  cvoiv  dndyjiv  ooxei.  Wenn  also  die  durch  den  drohenden
Mordstahl  angeregte  Phantasie  die  That  als  vollzogen  zu  setzen  und
das  kaum  noch  abgewendete  Ungemach  als  wirklich  sich  vorzustellen
vermag,  so  ist  die  damit  erreichte  Mitleiderregung  um  so  reiner,  je
weniger  sie  durch  das  körperliche  Anschauen  des  Blutvergiessens
vermittelt  wird.  Da  nun,  was  niemand  bestreitet,  das  ndSog  auch
den  Situationswechsel,  die  p.exdßaaig  der  tragischen  Handlung  selbst
herbeiführen  kann,  so  wird  in  diesem  Falle  die  beste  Form  des
naScg  mit  der  besten  Form  der  p.sxdßaai.g  nicht  wohl  zu  vereinigen
sein:  aber  auch  so  liegt  darin  kein  Widerspruch  des  Aristoteles,
sondern  nur  ein  Gegensatz  in  der  Sache,  vergleichbar  dem  andern,
dass  eine  Tragödie  nicht  alle  Arten  in  sich  vereinigen  kann.
Die  aristotelische  Lehre  vom  tragischen  xdSog  wird  schliesslich ­
  durch  die  Thatsache  bestätigt:  da  nämlich  jene  Formen  nur  von
wenigen  Mythen  dargeboten  werden,  und  die  Dichter  das  Wirksamste
nicht  nach  einem  theoretischen  Gesiehtspuncte  schufen,  sondern
mehr  durch  Zufall  und  erfahrungsmässiges  Prüfen  fanden,  so  kommt
es,  dass  sie  bei  wenigen  Heroengeschlechtern  Zusammentreffen
(ärcavräv)  i),  die  ihnen  den  Stoff  zu  ihren  Tragödien  liefern.
Hiermit  ist  die  Untersuchung  über  das  tragische  ndSog
abgeschlossen,  und  es  erübrigen  die  beiden  anderen  tragischen
Momente,  Peripetie  und  Erkennung.  Von  diesen  findet  sich  für  die

*)  äiravrSv,  das  meist  losgehen  auf  etwas  oder  hinkommen  zu  Jemand  oder  an  einen
Ort  bedeutet  (wie  eis  xct  xr,OJ]  oXovxai  3üv  xoiic  uu^eveis  ä?ravräv  Nie.  Eth.
IX  2,  1165  a  20;  evia  jrdppoo3ev  ecjravrä  wpds  rrjv  rpoyyjv  Psych.  II  9,  421  b  12;
i>5  xoOxo  xe\os  ov,  irpos  3k  xd  re’Xoj  äuavra  öe’ov  äjtavräv  Polit.  I  9,  1258
Sitzb.  d.  phil.—bist.  CI.  LII.  Bd.  I.  Hft.  8
            
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