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V a h l e n
der Todesstreich geführt werden soll, und das Unheilvolle verhütet.
Für das Urtheil des Aristoteles kann die Thatsache sprechen, dass
die von ihm selbst als Beispiel angeführte Scene aus demKresphontes,
wo Merope das Beil gegen ihren noch unerkannten Sohn erhebt,
noch in späten Zeiten auf den Theatern die grösste Erregung hervorrief.
Dennoch hat die unbedingte Bevorzugung dieser letzten Form
die Erklärer der Poetik in nicht geringe Verlegenheit versetzt. Man
fand das Urtheil im Widerspruch mit der anderen Forderung
(Kap. 13), dass der tragische Umsturz der von Glück zu Unglück
sei. Lessing wandte vielen Scharfsinn auf, den Widerspruch zu heben,
indem er nachzuweisen suchte, Aristoteles rede in Kap. 13 und 14
von zwei verschiedenen Theilen der Tragödie, von denen nicht ein und
dasselbe zu gelten habe, wobei er [j.sraßolri undfxsräßaaig im 13. Kap.
mit der Peripetie identisch, das TzäSog als der Tragödie schlechthin
notlrwendig setzte, beides gegen die Meinung des Aristoteles. So überzeugend
daher auch im übrigen Lessing’s Argumentation ist, um vollkommen
richtig zu sein, verlangt sie eine nicht unwesentliche Modification.
Andere constatirten einfach den Widerspruch, den Susemihl
neuerdings durch eine Wortumsetzung zu niclite zu machen suchte.
Nach ihm soll die beste Form (tö xpavujrov) die sein, in welcher
die Erkennung nach vollbrachter That erfolgt. Nur die nächstbeste
aber die, welche der Text zuletzt gestellt bat, in welcher die Erkennung
dem Vollzug der That noch eben zuvorkommt.
Für die richtige Beurtheilung des Sachverhältnisses ist die im
Bisherigen angebahnte und befolgte Auffassung von Bedeutung, dass
das xaSog, d. i. nach Aristoteles’ Definition die unheilvolle, schmerzoder
todtbringende That, ein einzelnes tragisches Moment ist, das
der Tragödie nicht unbedingt nothwendig, und da wo es angewendet
wird, nicht nothwendig auf den Knotenpunct, an welchem sich der
die Handlung der Tragödie ausmachende Situationswechsel vollzieht,
beschränkt ist, sondern auch an anderen Stellen und an mehreren eintreten
kann. Diese Auffassung bestätigen die angeführten Beispiele,
der Hämon in der Antigone, Medea's Kindermord, ja die Merope
selbst. Die frühere Lehre also, dass der durch eine ärzaprta begründete
einfache Umsturz eines edlen Helden aus Glück in Ungemach
die wirksamste Compositionsform sei, bleibt unberührt bestehen.
Aristoteles untersucht nicht das KctSog mit Rücksicht auf jene
Compositionsform, sondern betrachtet es an sich, legt die verschie-