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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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darum  gewährt  sie  diesem  die  kräftigste  Anregung  zu  lebensvoller
Veranschaulichung  der  Handlung.
Ist  diese  nun  so  angelegt,  dass  die  furcht-  und  mitleiderregende
Wirkung  rein  aus  ihr  selbst  entspringt,  so  ist  dies  des  Dichters
eigenes  Verdienst,  der  seine  Aufgabe  lediglich  mit  dichterischen
Mitteln  gelöst  hat.  Soll  aber  die  aus  der  Anlage  der  Handlung  nur
tlieilweise  und  spärlich  hervorgehende  tragische  Wirkung  erst  durch
die  Bühnendarstellung  ergänzt  werden,  so  ist  ein  Mangel  auf  Seite
des  Dichters,  der  seine  eigene  Kunst  von  einer  anderen  abhängig
macht:  denn  auf  Effect  berechnete  Herrichtung  des  Bühnenapparates
und  schauspielerische  Ausrüstung  liegt  ausserhalb  der  riyyn  des
Dichters  und  ist  seihst  von  äusseren  Mitteln  (yoprjyict)  *)  abhängig.
Wer  aber  vollends  den  Bühnenapparat  nicht  zur  Veranschaulichung
eines  furcht-  und  mitleiderregenden  Vorgangs,  wie  ihn  die  Tragödie
erheischt,  sondern  zur  Darstellung  von  Wundererscheinungen  (rspx-TtöÖ£f)
  benutzt,  hat  mit  der  Tragödie  nichts  mehr  gemein.  Aristoteles
verwirft  das  reparüds?  nicht  schlechthin:  ist  es  im  Dienste  der
spezifisch  tragischen  Wirkung,  so  hat  es  gleichen  Werth  mit  dem
sonstigen  Bühnenapparat:  nur  von  jener  Wirkung  losgelöst  und  als
alleiniger  Zweck  der  Darstellung  gesetzt,  ist  es  verwerflich,  aber  nicht
darum,  weil  solche  Erscheinungen,  z.  B.  die  Wunderwelt  des  Hades
auf  die  Bühne  gebracht,  nicht  Ergetzen  bei  den  Zuschauern  bewirken ­
  können  —  ist  doch  die  o<pig  überhaupt  ein  —,
sondern  weil  dieses  Ergetzen  mit  der  Wirkung  der  Tragödie  nichts
mehr  zu  thun  hat,  und  man  von  ihr  nicht  jede  beliebige,  sondern
nur  die  ihrem  Wesen  entsprechende  Lustempfindung  erwarten  und
durch  sie  erzeugen  soll.  Ihre  spezifische  Wirkung  besteht  aber  in
jener  Lustempfindung,  die  durch  nachahmende  Darstellung  furchtund
  mitleiderregender  Vorgänge  taus  der  Erregung  dieser  Affecte
entspringt.  Damit  nun  diese  ohne  Bühnendarstellung  lediglich  durch

l)  Aristoteles  bedient  sich  dieses  Tropus  (wie  auch  des  entsprechenden  Xsiroup'/stv  :
Polit.  VII  IG,  1335  h  28)  in  Ethik  und  Politik  sehr  häufig-,  um  die  äussere  Ausrüstung,
  die  Hüllsmittel  zu  bezeichnen,  deren  die  7raideta  (Politik  IV  11,  1295
a  28)  oder  die  beste  7roXtreta  (Pol.  IV  1,  1288  b  40)  oder  die  uperr)  und  das
xotk&c  bedarf.  Und  so  ist  auch  an  unserer  Stelle,  obwohl  von  Theater  und
Bühne  die  Rede  ist,  X°ß*?T a  nur  in  übertragener  Bedeutung  von  den  äusseren
Mitteln  im  Gegensatz  gegen  die  rs^vvj  des  Dichters  zu  verstehen.
            
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