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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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dem  Theaterpublicum  mehr  als  jene  andere.  Allein  sie  gewährt  nicht
die  von  der  Tragödie  zu  erwartende  Lust,  sondern  sie  ist  vielmehr
der  Komödie  eigen:  denn  in  dieser  (ixet)  geht  man  ja  auch  so  weit,
dass  von  den  feindlich  auf  einander  stossenden  (wie  ein  Orest  und
Aegisth)  nicht  der  Eine  obsiegt,  der  Andere  unterliegt,  sondern  beide
ausgesöhnt  als  Freunde  die  Bühne  verlassen.  Um  die  Annäherung
jener  Compositionsform  an  die  Komödie  deutlich  zu  machen,  nimmt
Aristoteles  das  dieser  entsprechende  Extrem  vollständiger  Befriedigung ­
  und  Aussöhnung  der  Gegner  *).
Aristoteles  hat  bisher  die  verschiedenen  Möglichkeiten  des
Situationswechsels  ([xsTäßaau;  —  psraßolr,')  dargelegt  und  aus
ihnen  diejenige  Form  herausgehoben,  welche  die  tragische  Wirkung
am  reinsten  erzeugt.  Das  Schicksal  eines  edeln,  auch  äusserlich
hochstehenden  Helden,  der  durch  einen  folgenschweren  Irrthum
(äpapria)  in’s  Unglück  stürzt,  regt  Furcht  und  Mitleid  auf.  Allein
dieses  ist  nicht  die  einzig  mögliche  Form  der  Composition,  und
diese,  sowie  die  übrigen  an  sich  weniger  auf  Aftecterregung  angelegten ­
  Formen  lassen  sich  in  ihrer  Wirkung  steigern  oder
ergänzen,  und  es  fragt  sich,  welcher  Mittel  sich  der  Tragiker  zu
diesem  Zweck  bedienen  könne  und  dürfe.  Das  Nächste  ist  (damit
wird  das  an  das  vorige  sich  eng  anschliessende  vierzehnte  Kapitel
eröffnet)  die  sinnliche  Darstellung  auf  der  Bühne,  aus  der  das
foßspäv  aed  ilseivov  hervorgehen  kann,  natürlich  unter  der  stillschweigenden ­
  Voraussetzung,  dass  der  uns  vor  Augen  gestellte
Vorgang  selbst  von  solcher  Beschaffenheit  ist.  Die  Wirkung,  die
das  mit  Augen  sehen  auf  die  Mitleiderregung  übt,  hat  Aristoteles  in
seiner  Theorie  vom  Mitleid  (Rhetor.  II  8)  gebührend  hervorgehoben:
da  nämlich,  sagt  er,  das  Leid,  wenn  es  uns  nahe  vor  Augen  steht,
Mitleid  erregt,  das  aber,  was  vor  tausend  Jahren  geschehen  ist,  oder
in  tausend  Jahren  geschehen  wird,  sei  es  in  der  Erwartung  oder  in
der  Erinnerung  unser  Mitleid  entweder  gar  nicht  oder  nicht  in
gleichem  Grade  anregt,  so  ergiebt  sich,  dass  die,  welche  es  uns  durch
Gebärden  und  Töne  und  überhaupt  in  sinnfälliger  Darstellung  veranschaulichen, ­
  unser  Mitleid  stärker  erregen:  denn  indem  sie  das

1 )  Diese  Auffassung  der  verschieden  gedeuteten,  auch  kritisch  angezweifeiten  Stelle
E<m  de  ovx  aurvj  >5  and  zpayipdias  xrX.  danke  ich  Bonitz,  dem  auch  dio  sehr
wahrscheinliche  Besserung  oi  av  f^ioroi  für  av  oi  gehört.
            
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