Forschung und Kritik auf dein Gebiete des deutschen Alterthums. II.
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und lasse schliesslich den Spruch in seiner metrischen Gliederung
nebst Übersetzung folgen.
1. Kirft imbi ift huce nu fliuc du uihu mjnaz hera
2. fridu frono. in munt godef gifunt heim zi comonne.
3. fizi fizi bina inbot dir fee maria hurolob nihabe du. Ziholee
4. ni fluc du. noh du mir nindrinnef. noh du mir nint uuin
5. neft fizi uilu ftillo uüirki godef uu’llon.
Es ist, wie man sieht, ein Bienensegen, der hier vor uns liegt:
aufschwärmende Bienen werden gelockt und ermahnt, nicht wegzufliegen
in den Wald, sondern daheim zu bleiben, sich ruhig niederzulassen
und das göttliche Geheiss zu vollbringen.
Z. 1. Kirst] es ist eigen, dass gerade das erste Wort in dem des
Ungewöhnlichen sonst nur wenig darbietenden Denkmal am meisten
Schwierigkeit macht. Zwar scheint es, als wäre anfänglich kirn oder
kirn geschrieben gewesen, und als hätte sich der Schreiber im
Schreiben selbst noch verbessert. Doch wäre Beides, kirn oder kirn,
um nichts verständlicher als kirst, und so steht deutlich in der Handschrift.
Eine Metathesis, Kirst = Krist — Christus hier anzunehmen,
ist kaum statthaft. So häufig die Umstellung des r in den Dialecten
des niederdeutschen Sprachgebietes erscheint, wo sie gerade in dem
Worte Krist die Regel bildet (nd. Kurst, holl. Kers), eben so selten ist
sie in den ältern hochdeutschen Quellen (selbst im alts. Heliand steht
durchaus nur Krist) und im Althochdeutschen begegnet sie höchstens
in einigen Namen (vgl. Weinhold, Alem. Grammatik S. 165). Auch
in den mitteldeutschen Mundarten ist Kirst für Krist unüblich (s. Mystiker
I. 27, 3. 29, 30. 48, 1. u. s. w.), und dann, was wäre damit
gewonnen? Allerdings knüpft sich an viele, hauptsächlich klagende
Interjectionen der Name Gottes (vgl. Grammatik 3, 277); aber hier
stünde ein solcher Ausruf ziemlich bedeutungslos. Halten wir uns
daher lieber an den Wortlaut der Überlieferung. Ob kirst mit dem
nur in späterer Zeit erst auftauchenden kirsen (claz man ez — da% ors
— horte kirsen: birsen Reinfried von Braunschweig ed. Goedecke
S. 44; vgl. kirschen, stridere: Maaler 244 a ), einer Nebenform von
ahd. kerran (Gratf4, 461), mhd. kerren, strepere, stridere, zusammenhängt,
muss ich unentschieden lassen. In der Bedeutung
würde es gut passen, denn es ist allem Anschein nach hier eine
der Interjectionen, die den Schall beim Fallen, Schwingen, Zerbrechen
oder Tönen gewisser Gegenstände nachahmen und an denen