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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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V  a  h  1  e  n

stoteles,  nach  welchem  er  in  Kap.  7—14  E.  die  Theorie  des  Mythos
als  des  ersten  und  wesentlichsten  Theiles  der  Tragödie  darlegt,  und
ferner,  dass  er  von  Kap.  9  E.  den  Mythos  von  seiner  tragischen  Seite
in's  Auge  fasst  und  nach  den  zwei  Rücksichten,  den  tragischen  Momenten ­
  (von  Kap.  9  E.—11  E.),  und  der  Composition  der  tragischen
Handlung  (Kap.  13  und  14)  untersucht,  so  ist  unwidersprechlich,
dass  jene  mitten  in  die  Betrachtung  des  Tragischen  eingezwängte
Aufzählung  der  quantitativen  Theile  der  Tragödie  den  Zusammenhang
auf  das  empfindlichste  zerschneidet.  Die  Überzeugung,  dass  hier  ein
fremdartiges  Stück  sich  eingedrängt,  wird  um  so  fester  sitzen,  je
mehr  es  gelingt,  in  die  planmässige  Anlage  der  Poetik  einzudringen.
Es  erhellt  aber  leicht,  dass  die  Bezeichnung  der  pipu  roU  den
Anlass  gegeben,  diesen  einsmals  frei  stehenden  Abschnitt  vondenp.öpja
xazä  to  tzooöv  der  Tragödie  an  dieser  Stelle  einzuschalten.  Ob  und
wo  sich  für  denselben  ein  geeigneterer  Platz  in  der  Poetik  ausfindig
machen  lasse,  diese  Frage  ist  von  der  anderen  nicht  zu  trennen,  oh
wir  es  mit  einem  echten  Stück  Aristotelischer  Lehre  zu  thun  haben:
diese  aber  nicht  ohne  eingehende  Sacherklärung  zu  entscheiden,  die
hier  von  meinem  Wege  ahliegt.
Nach  Ausscheidung  des  Eindringlings  schliesst  sieh  das  dreizehnte ­
  Kapitel  an  das  unmittelbar  vorher  über  die  Elemente  des
Tragischen  Gesagte  (rolg  vüv  sqcr/pivot?,  das  schlechterdings  nicht
auf  den  Inhalt  des  12.  Kap.  gehen  kann)  treffend  an,  und  bezeichnet
in  seinem  Eingang  die  jetzt  folgerichtig  anzustellende  Untersuchung,
wie  man  den  tragischen  Mythos  zu  componieren  habe,  damit  die
Tragödie  ihre  Aufgabe  (spyov)  erfülle,  d.  h.  die  ihrem  Wesen  eigentümliche ­
  Wirkung  erziele.  Diese  Untersuchung  schliesst  zwei  gesonderte ­
  Erörterungen  ein:  da  nämlich,  nach  dem  früher  Dargelegten,
die  verflochtene,  mit  Peripetie  und  Erkennung  ausgerüstete  Tragödie
kunstvoller  und  wirksamer  ist  als  die  einfache,  und  da  die  Tragödie
überhaupt,  die  verflochtene  wie  die  einfache,  auf  Furcht-  und  Mitleidcrregung
  geht,  so  ist  erstlich  (n-poürov  p.iv,  dem  innerhalb  des
13.  Kap.  nichts  entspricht)  zu  untersuchen,  wie  die  tragische  Handlung ­
  an  sich  beschaffen  sein  müsse,  um  ihre  Wirkung  nicht  zu
verfehlen,  und  zweitens,  wie  man  die  tragische  Handlung  durch
Anwendung  der  tragischen  Momente  wirksamer  zu  machen  habe.
Das  Letztere  ist  Gegenstand  des  vierzehnten  Kapitels.  Das  Erstere
aber  angehend,  so  ist.  da  eine  tragische  Handlung  ohne  einen
            
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