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Pfeiffer
Der glückliche Finder ist Herr Dr. August Reifferscheid aus Bonn,
der so eben im Auftrag unserer Akademie der Wissenschaften zum
Zwecke der neuen kritischen Ausgabe der lateinischen Kirchenväter
die italienischen Bibliotheken durchforscht. Ende Januar des verflossenen
Jahres schickte er mir eine Abschrift seines Fundes zur
Einsicht, mit dem Anerbieten, mir, falls derselbe noch unbekannt
wäre, über dessen Herkunft das Nähere mittheilen zu wollen. Später,
unterm 21. Februar, gab er mir die erbetenen Auskünfte über die
Handschrift und verhall' mir auch — bei den auf der Vaticana herrschenden
Beschränkungen keine leichte Sache — zu einem Fascimile.
Herrn Dr. Reifferscheid für diese seine zuvorkommende Gefälligkeit
und Aufopferung in meinem und der Wissenschaft Namen öffentlich
zu danken, ist mir eine angenehme Pflicht; ich erfülle sie mit dem
lebhaften Wunsche, dass seine ferneren Wege und Schritte von ähnlichen
Erfolgen begleitet sein möchten.
Die Handschrift, welche den nachstehenden Segensspruch enthält
, befindet sich auf der Vaticana zu Rom unter den dort zurückgebliebenen
Handschriften der ehmaligen pfälzischen Bibliothek zu
Heidelberg und trägt die Nummer: „Palatinus 220“. Sie umfasst
71 Pergamentblätter in Octav und gehört dem 9. Jahrhundert an.
Den Inhalt bilden „Sermones“ von Augustinus und „Dicta S. Effram“
(= Ephraem). Auf den Rändern der Blätter sind hier und da Hymnenverse,
Bibelstellen und anderes der Art von verschiedenen Händen eingezeichnet.
Das deutsche Stück, ebenfalls eine solche Randeinzeichnung,
findet sich auf Bl. 58 a am untern Rande, aber verkehrt, so dass
man, um es zu lesen, die Handschrift umdrehen muss. Es ist von
einer Hand des 10. Jahrhunderts geschrieben. Ausserdem sind auf
Bl. 62 b folgende Namen mit Schriftzügen des 9. Jahrhunderts eingetragen:
engilberaht: uualtger; reginger. suitger.
gerhart: iruil; uuoto. theotger: uuelant
reginhart: ootfriit: ilpinc: frumih:
hirinc.
Die Handschrift gehörte einst dem berühmten Kloster S. Nazarii
in Laüresham, d. i. Lorsch an der Bergstrasse. Dort ist sie vermuthlich
auch geschrieben.
Ich gebe nun zuerst den Text, zeilengetreu nach der Handschrift,
sodann die mir nöthig scheinenden sprachlichen Bemerkungen