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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

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Pfeiffer

Der  glückliche  Finder  ist  Herr  Dr.  August  Reifferscheid  aus  Bonn,
der  so  eben  im  Auftrag  unserer  Akademie  der  Wissenschaften  zum
Zwecke  der  neuen  kritischen  Ausgabe  der  lateinischen  Kirchenväter
die  italienischen  Bibliotheken  durchforscht.  Ende  Januar  des  verflossenen ­
  Jahres  schickte  er  mir  eine  Abschrift  seines  Fundes  zur
Einsicht,  mit  dem  Anerbieten,  mir,  falls  derselbe  noch  unbekannt
wäre,  über  dessen  Herkunft  das  Nähere  mittheilen  zu  wollen.  Später,
unterm  21.  Februar,  gab  er  mir  die  erbetenen  Auskünfte  über  die
Handschrift  und  verhall'  mir  auch  —  bei  den  auf  der  Vaticana  herrschenden ­
  Beschränkungen  keine  leichte  Sache  —  zu  einem  Fascimile.
Herrn  Dr.  Reifferscheid  für  diese  seine  zuvorkommende  Gefälligkeit
und  Aufopferung  in  meinem  und  der  Wissenschaft  Namen  öffentlich
zu  danken,  ist  mir  eine  angenehme  Pflicht;  ich  erfülle  sie  mit  dem
lebhaften  Wunsche,  dass  seine  ferneren  Wege  und  Schritte  von  ähnlichen ­
  Erfolgen  begleitet  sein  möchten.
Die  Handschrift,  welche  den  nachstehenden  Segensspruch  enthält ­
  ,  befindet  sich  auf  der  Vaticana  zu  Rom  unter  den  dort  zurückgebliebenen ­
  Handschriften  der  ehmaligen  pfälzischen  Bibliothek  zu
Heidelberg  und  trägt  die  Nummer:  „Palatinus  220“.  Sie  umfasst
71  Pergamentblätter  in  Octav  und  gehört  dem  9.  Jahrhundert  an.
Den  Inhalt  bilden  „Sermones“  von  Augustinus  und  „Dicta  S.  Effram“
(=  Ephraem).  Auf  den  Rändern  der  Blätter  sind  hier  und  da  Hymnenverse,
  Bibelstellen  und  anderes  der  Art  von  verschiedenen  Händen  eingezeichnet. ­
  Das  deutsche  Stück,  ebenfalls  eine  solche  Randeinzeichnung, ­
  findet  sich  auf  Bl.  58 a  am  untern  Rande,  aber  verkehrt,  so  dass
man,  um  es  zu  lesen,  die  Handschrift  umdrehen  muss.  Es  ist  von
einer  Hand  des  10.  Jahrhunderts  geschrieben.  Ausserdem  sind  auf
Bl.  62 b  folgende  Namen  mit  Schriftzügen  des  9.  Jahrhunderts  eingetragen: ­

engilberaht:  uualtger;  reginger.  suitger.
gerhart:  iruil;  uuoto.  theotger:  uuelant
reginhart:  ootfriit:  ilpinc:  frumih:
hirinc.
Die  Handschrift  gehörte  einst  dem  berühmten  Kloster  S.  Nazarii
in  Laüresham,  d.  i.  Lorsch  an  der  Bergstrasse.  Dort  ist  sie  vermuthlich
  auch  geschrieben.
Ich  gebe  nun  zuerst  den  Text,  zeilengetreu  nach  der  Handschrift, ­
  sodann  die  mir  nöthig  scheinenden  sprachlichen  Bemerkungen
            
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