Full text: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Über eine ital. metr. Darstellung der Crescentiasage. 691 
hier der alte Mann vergiftet, und als die Sache ruchbar wird, sagen 
die Leute: 0 miser, quanto il eor gli calse 
Gir drieto di Maria, ch’el non ee penna 
Che a nuotarlo durasse quanto il s’alse! 
Hör vada e cerchi Maria per Ravenna 
Che ben trattato l’ha come eh’el merta; 
Meglio era non tornar giammai da Senna. 
Ma poi si poco a poco discoperta 
Fu questa trama, che fin ai di nostri 
Si porge a tal bisogno questa offerta, 
Che quando ad altrui par,' che alcun dimostri 
Andar drieto al suo peggio, come amico 
Che sol per lo suo amor combatta e giostri, 
Cosi si suole dir ch’el eerca intrico. 
Man wird kaum annehmen, dass die sprichwörtliche Redeweise 
ihren Ursprung dem Volksgedichte verdanke, vielmehr wird Letzteres 
als Illustration der schon gang und gäbe gewesenen Redensart verfasst 
worden sein und kann daher nur als Zeugniss des Sinnes gelten, in 
dem sie gebraucht wurde. Hier sehen wir nun denn, dass cercar 
Maria per Ravenna in der Tliat die Bedeutung „seinen Schaden 
suchen“ hatte und die letzteren Verse Fabrizii’s bestätigen es aus 
drücklich. 
In unserem Gedichte dagegen, welches den ältesten der bisher 
bekannten Belege bieten dürfte, ist nur der Sinn zulässig, den die 
Crusca angibt: der Herzog von Anjou kann Costanza nicht finden, 
da er sie eben dort sucht, wo sie nicht ist. 
Indessen lassen sich die zwei Bedeutungen nicht schwer ver 
einigen; der terminus medius läge in dem Gedanken: „Etwas Un- 
nöthiges, Unerspriessliches, Unerreichbares thun“. Dies scheint 
durch folgende Beispiele bestätigt zu werden. 
In der Sibilla von Grazzini (Lasca) I, 3 fordert Fuligno den 
Doctor Giansimone auf, Sibilla zu besuchen. Er aber antwortet: „Vuoi 
tu che s’io posso aver la Pasqua in domenica io la cerchi in venerdi? 
Se Michelozzo me la dä per moglie, che vuoi tu ch’io vada eercando 
Maria per Ravenna e metter a pericolo me e lei?“ 
T o 1 o m e i, Lettere VI, 227: „Ma se mentre ch'io fui a Piacenza 
stei sempre allegro, .. . che dovevo io andar eercando altro? Maria 
forse per Ravenna?“
	        
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