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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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M  u  s  s  a  f  i  a

Willen  sein,  aber  um  so  kräftigeren  Widerstand  setzt  sie  ihm  entgegen. ­
  Darüber  erbost,  tödtet  er  den  Knaben,  während  die  Frau  in
der  Kirche  war.  Als  der  Mord  entdeckt  wird,  wird  die  Amme  dessen
beschuldigt  und  mit  dem  Tode  bestraft.  Der  Mann  kehrt  indessen
zurück  und  der  Bruder  weiss  nach  und  nach  ihm  ein  solches  Misstrauen ­
  gegen  seine  Frau  einzuflüssen,  dass  er  sie  als  die  Urheberinn
des  Mordes  betrachtet  und  sie  heimlich  zu  tödten  beschliesst.  Er  sagt
ihr,  er  müsse  wieder  Geschäfte  halber  nach  Alexandrien  ziehen;  sie
solle  ihm  dahin  begleiten.  Wie  sie  im  Walde  sind,  heisst  er  sie  vom
Pferde  absteigen,  entblösst  sein  Schwert  und  fordert  sie  auf,  ihre
Schuld  zu  bekennen,  denn  die  Stunde  ihres  Todes  habe  geschlagen.
Sie  betheuert  aber  ihre  Unschuld  auf  so  eindringliche  Art,  dass  er  in
seinem  Vorhaben  schwankt  und  sich  damit  begnügt,  sie  an  einen
Baum  festzubinden  und  sie  dort  allein  zu  lassen.  Da  betet  sie  zu  Gott
und  der  heiligen  Jungfrau,  und  die  wilden  Thiere  kommen,  umkreisen
den  Baum,  thun  ihr  aber  nichts  zu  Leid.  Um  Mitternacht  schläft  sie
ein  und  es  erscheint  ihr  im  Traume  eine  Frau,  die  ihr  sagt:  „Zage
nicht;  ein  Löwe  wird  dich  befreien;  sammle  von  den  Blättern  dieses
Baumes,  denn  damit  wirst  du  viele  Krankheiten  heilen;  fordere  dafür
keine  Belohnung  und  bewahre  deine  Keuschheit“.  Da  kommt  ein
grosser  Löwe,  der  sie  ableckt  und  ihre  Bande  löst.  Sie  sammelt  die
Blätter  des  Baumes  und,  dem  Löwen  folgend,  tritt  sie  aus  dem
Walde.  Als  sie  vor  einer  Stadt  angelangt  sind,  verlässt  sie  der  Löwe.
Sie  heilt  den  Sohn  einer  Witwe,  den  alle  Ärzte  aufgegeben  hatten,
und  bald  darauf  viele  andere  Kranke,  so  dass  ihr  Ruf  sich  weit  verbreitet. ­
  Sie  geht  gegen  Alexandrien,  wo  sie  ihren  Mann  vermuthet;
dieser  aber  war  wieder  nach  Rom  abgereist,  denn  sein  Bruder  lag
an  einer  schweren  unbekannten  Krankheit  darnieder.  Als  die  Frau
ihren  Mann  nicht  findet,  begibt  sie  sich  nach  Deutschland,  heilt  dort
zwei  Kinder  eines  Grafen  und  lebt  in  dessen  Hause  friedlich.  Dorthin
führt  nun  der  Kaufmann  seinen  Bruder  und  erfleht  für  ihn  die  wunderthätige
  Kunst  der  Frau.  Diese  bittet  den  Grafen,  in  einem  Saale  die
angesehensten  Bürger  der  Stadt  zu  versammeln.  Es  kommen  deren
fünfhundert  zusammen.  Da  fordert  die  Frau  den  Kranken  auf,  seine
Sünden  zu  offenbaren;  er  sträubt  sich  dagegen,  will  den  begangenen
Mord  verheimlichen,  endlich  sagt  er  Alles.  Darauf  heilt  ihn  die  Frau
und  gibt  sich  zu  erkennen.  Sie  bleiben  einige  Zeit  hei  dem  Grafen,
dann  machen  sie  sich  auf  den  Weg  gegen  Rom.  Alle  Geschenke  des
            
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