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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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M  u  s  s  a  f  i  a

befreit  einen  Diener,  der  gehängt  werden  sollte.  Diesen  löstet  ebenfalls ­
  nach  ihrem  Besitze  und  er  verkauft  sie  dann  an  einen  Schiffspatron.
  Sturm.  Die  Wellen  tragen  Repsima  an's  Gestade  einer  Insel,
die  von  einer  Frau  beherrscht  wurde.  Ihre  Tugend  entzückt  alle
Herzen;  nach  dem  Tode  der  Königin  wird  sie  auf  den  Thron  erhöhen.
Sie  bekehrt  alle  ihre  Unterthanen  zum  Mahomedanismus,  übt  Frömmigkeit ­
  aus  und  der  Himmel  zeigt  sich  ihr  so  gnädig,  dass  ihre  Fürbitte ­
  immer  erhört  wird.  Deshalb  eilen  Kranke  von  allen  Ländern
zu  ihr  herbei;  sie  werden  in  grosse  dafür  erbaute  Spitäler  aufgenommen
  und  finden  alle  die  ersehnte  Heilung.  Eines  Tages  meldet
man  Repsimen  die  Ankunft  von  sechs  Fremden,  von  denen  vier
krank  waren.  Es  war  Revende,  der  erblindet  war,  und  nun  von
Temim  dorthin  begleitet  worden  war;  dann  der  Araber,  welcher  den
gichtbrüchigen  Kalid  vorführte;  endlich  der  junge  Mann,  welcher
von  Raserei,  und  der  Schiffsmaim,  welcher  von  der  Wassersucht ­
  geplagt  war.  Alle  gestehen  ihre  Schuld.  Repsima  bietet
Temim  eine  ihrer  schönsten  Sclavinnen  zur  Gemahlin  an;  er  aber
erklärt,  seine  arme  unschuldige  Frau  nicht  vergessen  zu  können.  Darauf ­
  gibt  sie  sich  zu  erkennen.
Der  innige  Zusammenhang  zwischen  diesen  orientalischen  Versionen ­
  und  den  unter  VI  und  V  angeführten  occidentalischen  tritt
deutlich  hervor.  Bemerkenswerth  ist,  dass  die  viel  spätere  persische
Version  von  Krankheiten,  welche  die  Verbrecher  plagen,  redet,
während  die  arabische  sie  nur  von  Gewissensbissen  beängstigt  darstellt. ­
  Dass  auch  der  junge  Mann  Liebe  für  die  Frau  empfindet,
ist  einer  den  orientalischen  Versionen  eigener  Zug.  Dafür  wissen
sie  nichts  von  dem  Einsperren  in  den  Thurm.  Sollen  wir  nun  in  der
arabischenErzählung  die  ursprüngliche  Gestalt  sehen,  in  der  die  Sage
nach  dem  Westen  drang?  *)  Dann  hätte  sie  in  V  und  IV  einen  treuen
Wiederhall  gefunden  und  aus  diesen  würden  sich  dann  nach  und
nach  durch  Ausstossen  zahlreicher  Episoden  die  einfacheren  Darstellungen ­
  losgelöst  haben.  Eine  solche  Annahme  scheint  aber  doch
äusserst  bedenklich;  und  es  ist  daher  sehr  wahrscheinlich,  dass  die
Sage  schon  in  einfacherer  Gestalt  dem  Westen  zugeführt  worden
sei,  dort  bald  in  geschichtlicher  bald  in  legendarischer  Form  sich
localisirt  habe  und  dass  nur  der  französische  Römern  sammt  seinen

1 )  Vgl.  Liebrechl  a.  a.  0.
            
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