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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

M  u  s  s  a  f  i  a

(»6  6
ausgescliolten,  dass  er  an  dem  Tage  keinen  Fang  gemacht;  um  sich
zu  entschuldigen,  erzählt  er  von  Crescentia  und  so  kommt  diese  an
den  Herzogshof.  So  in  a)  und  bj,  ohne  dass  bei  der  Rettung  von
übernatürlicher  Hilfe  Erwähnung  geschehe,  während  in  c)  die
Mutter  Gottes  der  Bedrängten  erscheint,  sie  unversehrt  an’s  Land
führt  und  ihr  den  Weg  zum  Fischerhause  weist.  Sie  hleiht  dort
einige  Zeit  und  stickt  schöne  Kleider.  Die  Herzogin  sieht  deren  eines,
erkundigt  sich  nach  der  Verfertigerin  und  nimmt  Crescentia  zu  sich.
—  Der  Vitzthum  (c  Hofmeister)  verfolgt  sie  mit  Liehesanträgen;
abgewiesen,  misshandelt  er  sie;  sie  trägt  alle  Unhilden  mit  ergebener ­
  Geduld.  Der  Vitzthum  tödtet  aus  Rache  den  dreijährigen
Knaben.  Der  Herzog  gibt,  ohwol  widerstrebend,  die  Frau  in  seine
Gewalt  und  er  stürzt  sie  wieder  ins  Wasser.  Sie  schwimmt  zwei
Tage  lang  den  Strom  hinab,  am  dritten  bleibt  sie  auf  einem  Werder
liegen.  Da  erscheint  ihr  ein  rettendes  Wesen,  das  sie  unversehrt  an's
Land  führt:  in  aj  Petrus,  welcher  ihr  die  Kraft  ertheilt,  jeden  zu
heilen,  der  seine  Sünden  öffentlich  bekenne;  in  b)  der  Engel  Gabriel,
welcher  sie  ein  Wunderkraut  unter  ihrem  Haupte  ‘)  ausgraben  heisst.
Noch  denselben  Tag  kommt  sie  wieder  zur  Burg,  und  erbietet  sich,
den  Herzog  und  den  Vitzthum,  die  beide  seit  drei  Tagen  gichtig  waren,
zu  heilen,  wenn  sie  nur  vorher  alle  ihre  Sünden  beichteten.  Der
erstere  thut  es  gleich  und  genest;  der  letztere  zaudert;  endlich  aber
gesteht  er  den  begangenen  Mord.  Er  wird  zwar  ebenfalls  geheilt,
der  Herzog  lässt  ihn  aber  in’s  Wasser  werfen.  —  In  c)  erscheint
Maria  der  Kaiserin,  gleich  nachdem  sie  mit  gebundenen  Händen
und  Füssen  in  den  Fluss  gestürzt  worden  war,  löst  ihre  Bande,  führt
sie  an’s  Land  und  übergibt  ihr  das  Kraut.  Crescentia  begibt  sich  in
die  nächste  Stadt,  heilt  dort  viele  Kranke  und  wird  erst  später  zum
Herzoge  und  seinem  Hofmeister,  die  beide  miselsüohtig  geworden
waren,  berufen.  Der  Herzog  verzeiht  dem  Hofmeister  auf  Crescentia’s
Fürbitte.  —  Nun  zieht  die  Kaiserin  nach  Rom,  wo  beide  Dietriche
aussätzig  und  gelähmt  liegen,  und  heilt  ihren  Gemahl  sogleich,  ihren
Schwager  aber  erst,  als  er  seine  Missethat  gestanden  hat.  Dem
Kaiser  sagt  sein  Herz,  es  sei  Crescentia;  er  erbittet  sich  die  Gnade,
ihr  einen  Schnitt  mit  der  Scheere  durch  die  Kleider  machen  zu

*)  Royfe  des  Krudes  das  unter  dijme  hobte  gewachsen  yss.  Ebenso  in  I b :
Dessouz  ton  chief  ccs  herbes  pren.
            
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