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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Über  eine  ital.  metr.  Darstellung  der  Crescentiasage.  665
nach  Rom,  beichtet  seine  Schuld  und  wird  geheilt,  worauf  die  Erkennung ­
  erfolgt.
Die  Begegnung  mit  dem  Herrn  von  Freudenberg  mahnt  an  den
rettenden  Herzog  der  zweiten  Begebenheit,  welche,  wie  erwähnt,
von  allen  anderen  Versionen  erzählt  wird.  Diese  nun  können  wir  in
einzelne  Gruppen  zusammenfassen.
Wir  wollen  zuerst  das  deutsche  Gedicht  —  IP  —  aus  dem
XII.  Jahrhundert  erwähnen 1 ),  dem  sich  eine  Prosaerzählung  —
II 1 '  —  a),  und  ein  alter  Druck  —  II C  —  s )  genau  auschliessen.
König  Narciss  von  Rom  und  Elisabeth  haben  zwei  Söhne,  die
beide  Dietrich  heissen.  Nach  dem  Tode  der  Eltern  befiehlt  der
Papst,  dass  der  König  werden  solle,  der  zuerst  heirathe.  Beide
werben  um  Crescentia,  Tochter  des  Königs  von  Africa.  Sie  wählt
den  unschönen  (schwarzen)  aber  tugendhaften.  Dieser  nun  geht
über  Meer,  um  einen  König  zu  bekriegen  und  empfiehlt  Crescentia
der  Obhut  seines  Bruders,  des  schönen  (weissen)  Dietrich.  —  In
IP  hinterlässt  Octavianus  (vgl.  IV“),  Kaiser  von  Rom,  eine  einzige
Tochter,  Crescentia.  Es  werben  um  sie  zwei  Brüder,  die  beide
Dietrich  heissen;  Crescentia  wählt  den  ersten,  den  braunen.  Dieser
verlässt  Rom  auf  mehrere  Jahre  „von  des  reichs  nutz  und  nottürft
wegen“.  —  Der  schöne  Dietrich  versucht  die  Frau,  wird  in  den
Thurm  eingesperrt,  dann  befreit.  Er  reitet  dem  Bruder  entgegen,
verläumdet  Crescentia,  worauf  der  König  ihm  befiehlt,  die  Treulose
zu  tödten.  Er  lässt  sie  in  die  Tiber  stürzen.  Der  Strom  treibt  sie  an
den-Strand,  sie  gelangt  in  das  Netz  eines  Fischers,  der  sie  aus  den
Wellen  herauszieht  und  in  sein  Haus  führt.  Der  Fischer  wird  darüber

In  der  Kaisefchronik  ed.  Massmann  V.  11367—  12828,  eil.  Diemer  S.  347—392.
Auch  einzeln:  Mailath  und  Köffinger,  Koloczaer  Codex,  S.  243—274;
von  der  Hagen,  Gesammtab.  1,  133—164;  ed.  Schade,  Berlin  1833.
2 )  Aus  einer  Handschrift  des  13.  Jahrhunderts  in  Haupt's  altd.  Bll.  1,  300—308;
wiederholt  bei  Wackernagel,  Leseb.  I,  987—998.
3 )  Vom  16.  Jalirh.  Ein  schone  vnd  wahr.  |  waftige  hystorj  von  einer  Kaise  |  rin  zu
Rom:  genandt  Cre  \  scentia:  gar  kurtzwey  |  lig  zulesen.  Am  Schlüsse:  Gedrückt  in
der  Fürstenlichen  Stat  Landss  \  liüt  durch  Johann  Wcyssenburger.  4°.  1  Titelblatt,
dann  16  Bll.  Eine  Titelvignette,  dann  10  (wovon  zwei  wiederholt)  im  Texte.  Weder
in  den  gangbaren  Bibliographien  noch  in  den  Nachweisen  über  die  Sage  fand  ich
diesen  Druck  verzeichnet.  Das  von  mir  benützte  Exemplar  findet  sich  in  der
Wiener  Hofbibliothek.
            
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