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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Über  eine  ital.  rnetr.  Herstellung  der  Crescentiasage.

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Wiederholung  der  ersten;  die  Wirkung  zu  erhöhen,  soll  die  tugendhafte ­
  Frau  zweimal  schmähliche  Anträge  zurückweisen,  zweimal
drohender  Todesgefahr  entrinnen,  zwei  Verbrecher  entlarven.  Diese
Wiederholung  findet  sich  nun  in  den  meisten  Darstellungen  der  Sage;
sie  fehlt  aber  in  einer  altfranzösischen  metrischen  Version,  vermuthlicli
  aus  dem  XIII.  Jahrhunderte,  die  bei  Le  Grand,  Fubliaux  et
contes  (Ausgabe  von  1829)  V,  12b  analysiert  ist  i).  In  dieser  —
die  ich  mit  I a  bezeichnen  will  —  pilgert  der  Kaiser  von  Rom  nach
dem  heiligen  Lande  um  ein  Gelübde,  das  er  während  seiner  Krankheit ­
  gethan,  zu  lösen.  Seine  Frau  sperrt  den  zudringlichen  Schwager
in  einen  Thurm,  befreit  ihn  aber,  als  ihr  Mann  zurückkehrt.  Der
Schwager  verläumdet  sie,  worauf  der  zu  gläubige  Kaiser  drei  Rittern
befiehlt,  sie  zu  ertränken.  Diese  aber  fühlen  Mitleid  mit  ihr,  setzen
sie  auf  einem  Eilande  aus,  und  nehmen  ihre  Kleider  als  Zeichen
mit.  Maria  erscheint  der  Frau  und  zeigt  ihr  ein  Kraut,  durch  welches
sie  den  Aussatz  heilen  wird.  Ein  Schiff  nimmt  sie  auf  und  führt  sie
in  ein  nahes  Land,  wo  sie  wunderbare  Heilungen  vollbringt.  Da
lässt  sie  der  Kaiser  nach  Rom  kommen,  damit  sie  seinen  Bruder
vom  Aussatze  befreie,  worauf  das  Geständniss  und  die  Wiedererkennung ­
  stattfinden.
Damit  stimmt  überein  ein  französisches  Mystere  aus  dem  Ende
des  XIV.  oder  Anfänge  des  XV.  Jahrhundertes  —  I 1 ’  —  hei  Moumerque
  und  Michel,  Theätre  francais  au  mögen  dge  S.  36b—
416.  Die  drei  Ritter  nehmen  kein  Zeichen  mit,  sondern  berichten
einfach  dem  Kaiser,  sie  hätten  den  Auftrag  erfüllt.  Die  Kaiserin
heilt  unter  Anderen  einen  Graf  von  Malepel,  worauf  sie  nach  Rom
berufen  wird.
Hieher  gehört  noch  bis  auf  wenige  Einzelnheiten  die  italienische
Rappresentazione  di  jS.  Guglielma 2 ),  welche  Antonia  di  Bernardo

2 )  Der  Text  soll  bei  M  eo  n,  Nouveau  recueil  II,  50  gedruckt  stehen.  Dieses  oft  wiederholte ­
  Citat,  welches  zuerst  iin  gleich  zu  erwähnenden  ThesU.  franc.  sich  findet,
beruht  wohl  auf  einer  Verwechselung  mit  der  ganz  verschiedenen  Erzählung
Gautier  de  Coinsy's  bei  Meon,  Nouv.  rec.  II,  1  —128.
2 )  Colomb  de  ßatines,  Bibliografia  delle  rappresentazioni,  Firenze  1832,  führt  zwei
Drucke  aus  dein  15.  und  mehrere  aus  den  folgenden  Jahrlih.  an.  Eine  Leggendu
di  S.  Guglielma  weist  Palermo,  Mss.  della  Palatina  I,  259  und  264  in  zwei
Hss.  nach,  von  denen  die  eine  dem  14.,  die  andere  dem  15.  Jht.  angehört  Incomin.
            
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