Über eine ital. rnetr. Herstellung der Crescentiasage.
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Wiederholung der ersten; die Wirkung zu erhöhen, soll die tugendhafte
Frau zweimal schmähliche Anträge zurückweisen, zweimal
drohender Todesgefahr entrinnen, zwei Verbrecher entlarven. Diese
Wiederholung findet sich nun in den meisten Darstellungen der Sage;
sie fehlt aber in einer altfranzösischen metrischen Version, vermuthlicli
aus dem XIII. Jahrhunderte, die bei Le Grand, Fubliaux et
contes (Ausgabe von 1829) V, 12b analysiert ist i). In dieser —
die ich mit I a bezeichnen will — pilgert der Kaiser von Rom nach
dem heiligen Lande um ein Gelübde, das er während seiner Krankheit
gethan, zu lösen. Seine Frau sperrt den zudringlichen Schwager
in einen Thurm, befreit ihn aber, als ihr Mann zurückkehrt. Der
Schwager verläumdet sie, worauf der zu gläubige Kaiser drei Rittern
befiehlt, sie zu ertränken. Diese aber fühlen Mitleid mit ihr, setzen
sie auf einem Eilande aus, und nehmen ihre Kleider als Zeichen
mit. Maria erscheint der Frau und zeigt ihr ein Kraut, durch welches
sie den Aussatz heilen wird. Ein Schiff nimmt sie auf und führt sie
in ein nahes Land, wo sie wunderbare Heilungen vollbringt. Da
lässt sie der Kaiser nach Rom kommen, damit sie seinen Bruder
vom Aussatze befreie, worauf das Geständniss und die Wiedererkennung
stattfinden.
Damit stimmt überein ein französisches Mystere aus dem Ende
des XIV. oder Anfänge des XV. Jahrhundertes — I 1 ’ — hei Moumerque
und Michel, Theätre francais au mögen dge S. 36b—
416. Die drei Ritter nehmen kein Zeichen mit, sondern berichten
einfach dem Kaiser, sie hätten den Auftrag erfüllt. Die Kaiserin
heilt unter Anderen einen Graf von Malepel, worauf sie nach Rom
berufen wird.
Hieher gehört noch bis auf wenige Einzelnheiten die italienische
Rappresentazione di jS. Guglielma 2 ), welche Antonia di Bernardo
2 ) Der Text soll bei M eo n, Nouveau recueil II, 50 gedruckt stehen. Dieses oft wiederholte
Citat, welches zuerst iin gleich zu erwähnenden ThesU. franc. sich findet,
beruht wohl auf einer Verwechselung mit der ganz verschiedenen Erzählung
Gautier de Coinsy's bei Meon, Nouv. rec. II, 1 —128.
2 ) Colomb de ßatines, Bibliografia delle rappresentazioni, Firenze 1832, führt zwei
Drucke aus dein 15. und mehrere aus den folgenden Jahrlih. an. Eine Leggendu
di S. Guglielma weist Palermo, Mss. della Palatina I, 259 und 264 in zwei
Hss. nach, von denen die eine dem 14., die andere dem 15. Jht. angehört Incomin.